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Ivy Blog 25. April 2012 - Willkommen daheim

Ivy Blog 25. April 2012 - Willkommen daheim

#1 von Birgit - Admin , 08.05.2012 07:56

Mittwoch, 25. April 2012

willkommen daheim
Richtig "kalt" ist es heute, Winter fuer kenianische Verhaeltnisse, vielleicht nur 24 Grad. Viel Regen kommt runter, schon heute Morgen weckt mich das Getrommel auf dem Dach, und die Wolken bleiben den ganzen Tag hartnaeckig haengen. Die Leute tragen zum Teil Fleecejacken. Ich freue mich zunaechst ueber die Abkuehlung, doch spaeter am Tag auf dem Weg ins hoeher gelegene und etwas kuehlere Kwale ziehe ich mir sogar meine coole rote Volunteer-Regenjacke an, die ich als Freiwillige beim Weltjugendtag im Einsatzpaket bekommen hatte. Man gewoehnt sich halt doch an die omnipraesente Hitze, und die sonnenverwoehnte Haut froestelt im kuehlen Wind.

Ich fahre zurueck ins Tsimba Childrens Home, denn heute kommen die Kids heim, die in den letzten Tagen ihre Familien oder naeheren Verwandten besuchen gefahren waren. Heute herrscht dort eine froehliche Atmosphaere. Gleich vier Kinder kommen mir lachend entgegen gelaufen, mehr sind auch noch nicht da.
Gleich am Anfang fuehre ich ein ganz langes Gespraech mit dem Heimleiter - da ist er gut drin, aber diesmal stoeren mich seine langen Ausfuehrungen nicht so arg. Wir stellen uns gut, und entweder ich bin ihm tatsaechlich sympathisch, oder er kann sehr gut so tun als ob. Umgekehrt genauso, ich will ihn kennenlernen und das am besten vorurteilsfrei, und je mehr er redet, desto besser geht das. Er erzaehlt mir viel ueber seine Zeit im Ausland - auf den Philippinen und in Isreal war er - und wie gewinnbringend es sei, fremde Kulturen kennenzulernen. Dass er aus Nairobi kommt und die Gegend etwas moralischer sei als hier die Kueste. Ich erzaehle ein bisschen von Deutschland, weil es ihn interessiert.
Danach gibt es Mittagessen - eine Erbsensuppe, die es auch in einem Festzelt auf irgendeinem deutschen Jahrmarkt genauso haette geben koennen, nur die Mettwurst fehlt. Ich mache den Abwasch. Charles weiss, wie er mir sagt, dass wir in Deutschland nicht alle eine Haushaltshilfe einstellen, die das Kochen und Abwaschen uebernimmt (denken aber natuerlich viele Kenianer, weil die reichen Einheimischen das ja auch haben). "Aber du hast eine Spuelmaschine zu Hause, richtig? Kannst du von Hand abwaschen?"
Er ist erstaunt, als ich ihm erklaere, dass unsere Studentenwohnung keine Spuelmaschine hat. Und er freut sich, dass ich mir offenbar nicht zu fein bin, das Geschirr zu spuelen, im Gegensatz zu einigen einheimischen Maedchen, wie er mir erklaert. Seinen eigenen Teller spuelt er uebrigens selbst.

Kelvin hat aus den Ferien zu Hause bei der Oma ein junges Huhn mitgebracht, welches er nun in der Kueche anbindet. Das arme Tier ruckt ungluecklich an den Fesseln und verkriecht sich dann in der hintersten Ecke im Regal. Irgendwann wird es sicher dick genug sein und dann gegessen werden, und ich wundere mich, wie anders die Einstellung der Kinder hier zu diesem Thema ist. Ich haette nie ein Haustier von mir essen koennen.Doch die Kinder gehen mit dem Huhn nicht besonders freundlich um - es wird von allen Seiten inspiziert, und ich rette es gerade noch, bevor die etwas grobmotorische Mejuma dem Vogel vielleicht den Fluegel bricht, als sie neugierig darunterspaeht und feste die Federn nach hinten zieht. Zum ersten Mal halte ich ein Huhn auf dem Schoss, welches eigentlich ganz zutraulich dort hocken bleibt, und ich entferne ihm ein paar Zecken.


Gestern abend hatten Sarina und ich im Restaurant ein halbes Grillhaehnchen geteilt. Die Zubereitung hatte ewig gedauert und waehrenddessen waren bestimmt zwei Leute vorgefahren, die der Kueche ihre lebenden Huehner, ungluecklich auf dem Motorrad festgebunden, verkauft hatten. Ich betete, das keins davon bei uns auf dem Teller landen wuerde, und war mir sicher, dass ich in Deutschland keinen Bissen mehr runterbekommen haette. Aber hier sind die Dinge dann doch irgendwie anders. Das Huhn schmeckte toll - meiner Mutter am Telefon erzaehlte ich spaeter sehr zu deren Amusement, dass ich niemals in Europa ein so frisch und gut nach natuerlich aufgewachsenem Huhn schmeckendes Stueck Fleisch bekommen hatte, und das, obwohl die Viecher hier aussehen wie die Voegel, die das Fernsehen zeigt, wenn wieder irgendwo eine Oelpest ein Oekosystem zerstoert - verklebt, mager, dreckig, ausgesprochen haesslich und generell eher unappetitlich. Aber eben auch nicht mit Antibiotika vollgestopft, gemaestet und danach mit Wasser aufgespritzt.


Nach und nach trudeln mehr Kinder im Heim ein, wir spielen Seilchenspringen (wieder wundern sich welche, dass ich das kann) und Schweinchen in der Mitte mit einem aus Plastiktueten und Schnur improvisierten Ball.
Manche Kinder waren offenbar beim Frisoer und haben nun tolle Langhaarfrisuren, gerade Christine wird von allen bewundert. Die Stimmung ist heute gut. Die Kinder begruessen sich froehlich, die Jungs spielen endlich wieder gemeinsam Fussball, und waehrend ich in der Kueche beim Vorbereiten des Abendessens helfe, herrscht dort ausgelassene Stimmung anlaesslich des Wechsels einer Gluehbirne, was erst im dritten Versuch endlich klappt.
Einige Eltern kommen mit ihren Kindern zurueck und halten dann Gespraeche mit der Heimleitung zur Entwicklung der Kinder. Ich erfahre zum ersten mal, dass auch Kinder da sind, die mit dem Ziel der Verbesserung der schulischen Leistungen im Heim sind, da sie sich zu Hause nicht auf ihre Bildung konzentrieren koennen. Unwillkuehrlich denke ich an deutsche Eltern, die dem Nachwuchs drohen mit "Tu dies und das, oder du kommst ins Heim!", aber ich glaube, die Sachlage ist hier eine ganz andere.

Als es dunkel wird sind dann alle da, bis auf einen, der sich fuer morgen frueh angekuendigt hat, und ich fahre wieder nach Ukunda ins neue Zuhause, denn ich habe die einzigen Schluessel dafuer. Heute ist Sarinas erste Nacht im neuen Haus, ihrer ersten, eigenen Wohnung, und darauf stossen wir mit einem guten Schluck Mineralwasser an.Genau wie die Kinder im Heim schlafen wir heute endlich alle mal wieder zu Hause.


Birgit - Admin

 
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