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2. Bericht von Annegret

#1 von Bettina , 21.08.2012 23:13

Das erste, was ich auch schon gestern über das Essen gelernt habe ist, dass hier fast immer mit den Händen gegessen wird, da es oftmals auch kein Besteck gibt. Die Hand ist hier der „African spoon“.
Am nächsten Tag brachte ich Wasserfarben und Pinsel, Zootiere, Wachsstifte, Buntstifte, Scheren, Leim, Filzstifte, Radiergummi, Wolle, Bleitifte und Spitzer mit in die Schule. Dies waren Spenden von Kindern und Eltern des „Kinderhaus Annett“ in Heidenau bei Dresden und vom „ Kinderhaus Annett“ selbst. Ich hatte vor meinem Praktikum einen Spendenaufruf gestartet dem sie gefolgt waren und von dessen Geld ich dann die Dinge kaufen konnte. Ich schrieb auch die Fluggesellschaft Condor an, mit der ich nach Kenia flog, und sie gewährten mir 20 kg Freigepäck um diese Spenden u transportieren. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an alle, die etwas gespendet haben!

Ich wurde in der Babyclass aufgefordert an diese Kinder die Buntstifte und Zootiere zu verteilen. Der Rest der Dinge wurde im Lehrerzimmer deponiert, warum auch immer. Die Kinder freuten sich natürlich riesig über diese Dinge. Die meisten packten es gleich in ihre Rucksäcke. Manche behielten es an ihrem Platz. Mit den Tieren versuchten sie zu spielen. Die Stifte klopften sie auf die Tische, versuchten mit ihnen auf den Tischen und Boden zu malen oder nagten einfach auf ihnen herum, denn Papier zum malen gab es leider nicht. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber ich konnte auch nur zusehen.
Wenigstens an diesem Tag hatten sie etwas mit dem sie sich beschäftigen und spielen konnten, denn Spielzeug hatten sie auch heute nicht bekommen. Das stand im Nachbarraum, welcher mal Babyclass war, nun aber zum Lehrerzimmer umfunktioniert worden ist.
Die darauf folgende Woche war Prüfungswoche in der mit allen Kindern Examen geschrieben wurden. Wie auch schon bei den Übungen wurden die Kinder einzeln zu den Lehrern gerufen um dort den vor ihnen liegenden Zettel auszufüllen. Sie mussten vorgepunktete Zahlen, Buchstaben und Symbole nachmalen, gleiche Symbole miteinander verbinden oder vorgemalte Gegenstände ausmalen. Die meisten Kinder verstanden die Aufgaben und konnten diese mehr oder weniger gut lösen. Doch einige Kinder waren zu klein oder
aufgeregt und haben gar nicht verstanden was sie überhaupt tun sollten. Sie saßen am Tisch vor der Lehrerin,hielten verkrampft ihren gegebenen Stift fest und starrten nur auf das Blatt vor ihnen. Dennoch wurden die Arbeiten von allen Kindern bewertet.
Diese Ergebnisse wurden in der folgenden Woche in eine große Gesamtliste übertragen und am Mittwoch begannen die Ferien für die Kinder.
Die 2 anderen Volontäre hatten am Montag ihren Heimweg angetreten und somit war ich seit dieser Woche alleine.
( Anmerkung Birgit: Die Schule wurde vormittags auf freiwilliger Basis noch für 2 Wochen weitergeführt, da viele Eltern das so wollten)

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1.8.2012

Am Mittwoch packte ich meine Sachen und fuhr mit einem Matatu in das Tsimba Children‘s Home.
Am Abend lernte ich die Kinder kennen, denn sie waren bis halb sechs in der Schule. Am Donnerstag und Freitag gingen die Kinder ebenfalls in die Schule. Momentan ist aber der Fastenmonat Ramadan und die Hälfte der Kinder muslimisch. Das bedeutete für sie, dass sie morgens 4 Uhr aufstehen um zu essen und zu trinken, da es ihnen von 5 bis 18 Uhr untersagt ist etwas zu sich zu nehmen.

6:30 Uhr fuhren sie in die Schule und kamen abends erst wieder. Während dieser Zeit half ich Esther, der Hausmutter, die Zimmer zu reinigen und das Essen vorzubereiten. Am Wochenende hatten die Kinder frei. Am Samstag spielten wir alle zusammen Fußball und am Sonntag hatten sich die Kinder ein großes Springseil ausgesucht.

Am Wochenende gab ich ihnen auch die Dinge, die ich noch von den Spenden aus deutschland mitgebracht hatte. Es waren Spielzeugautos, Sprungseile, viele Buntstifte, Bälle und ein paar andere Spielsachen, Bleistifte, Kugelschreiber und eine Spitzmaschine. Die Spielsachen behielten die Kinder und die anderen Dinge nahmen Charles und Esther zu sich. Sie wollten es austeilen, wenn es die Kinder brauchten. Auch hier gab es kein Papier zum malen, denn Papier ist teuer in Kenia. Deshalb werde ich Papier mitbringen, wenn ich das nächste Mal in Ukunda bin.

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Meyumaa´s Geburtstag (02.08.2012)

Die kleinste der Kinder hatte heute ihren 6. Geburtstag. Dafür wurde sogar am Nachmittag ein Kuchen gebacken. Der Teig wurde wie ein Rührteig vorbereitet. Danach wurde er in eine Springform gegeben und in einen großen Aluminiumtopf gestellt, der über einem Glutofen stand. Auf den Topf wurde eine Pfanne gestellt und ebenfalls Glut hinein gegeben. Somit entstand Ober- und Unterhitze ... das ist der afrikanische Backofen. Nach drei Stunden war der Kuchen fertig.

Als die Kinder 17:30Uhr aus der Schule kamen, zogen sie ihre Schuluniformen aus und ihre normalen Sachen an. Dann versammelten sich alle im Vorraum, wo auch das Spielzeugregal steht, und wir stellten einen Stuhlkreis. In die Mitte wurde ein kleiner Tisch mit Tischdecke, sowie ein Stuhl für das Geburtstagskind gestellt. Auf den Tisch wurde ein Blumenstrauß und der Geburtstagskuchen, welcher mit Schokoladenschrift und kleinen rosafarbenen Blüten verziert worden war, gestellt. Außerdem wurde für jedes Kind ein Becher hingestellt und Saft eingegossen, und die Tafel an der Wand würde mit „Happy Birthday Dear Meyumma“ beschriftet und mit Blumen bemalt.

Als alles fertig vorbereitet war, setzten sich alle Kinder und Mitarbeiter auf einen Stuhl und stimmten dann das Geburtstagslied an „Happy birthday to you...“. Während wir sangen kam Meyumma ganz stolz und glücklich herein und setzte sich auf ihren Stuhl in der Mitte. Als wir mit dem Lied geendet hatten, durfte jeder ihr etwas wünschen. Danach wurde der Kuchen angeschnitten und die ersten zwei Stückchen auf einen kleinen Teller gelegt. Meyumma wünschte sich Christine zu sich. Die zwei Mädchen standen sich gegenüber und erst steckte Christine Meyumma ein Stückchen Kuchen in den Mund und dann umgekehrt. Das ist wie ein Ritual hier das erste Stückchen Kuchen mit dem besten Freund oder Freundin zu teilen.
Danach wurde der Kuchen und der Saft an alle Kinder verteilt, wobei das Geburtstagskind die meisten Stückchen bekam. Er schmeckte wirklich lecker ... der afrikanische Backofen hatte funktioniert, denn der Kuchen war kein bischen schlierig :-)

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Die Kinder lernen für´s Leben im Tsimba Children´s Home

Unter der Woche hatte ich schon beobachtet, dass die Kinder am Abend beim abwaschen halfen. Die Zimmer werden in der Woche von der Hausmutter geputzt, sowie auch die sanitären Anlagen, die Flure, die Küche und der TV-Raum. Am Wochenende werden die Kinder aber dazu angehalten, dass selbst zu erledigen. Für ihre Zimmer sind die „Bewohner“ selbst zuständig und für die Gemeinschaftsräume werden die zuständigen Kinder täglich abgewechselt. Die Kinder fegen und wischen ihre eigenen Zimmer und waschen ihre eigene Wäsche. Esther und Dalmas, der Hausvater, sind dabei immer in ihrer Nähe um zu kontrollieren ob sie es wirklich machen und um ihnen zu helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Außerdem beobachtete ich, dass die Kinder bei der Zubereitung des Essens helfen, indem sie z.B. das Gemüse schneiden oder die Schalen aus den Bohnen oder Erbsen raus sortieren.

Esther, die Hausmutter sagte mir, dass es wichtig für die Kinder ist, diese Dinge zu lernen, da es ihnen sonst niemand beibringen würde. Sie sollen lernen auf Ordnung zu achten und auch wie man ordentlich sauber macht. Durch den täglichen Einbezug der Kinder in die anstehenden Arbeiten, lernen sie den ganz alltäglichen Arbeiten und Aufgaben kennen. Das finde ich sehr wichtig und sinnvoll, denn mit 18 Jahren verlassen die Kinder das Kinderheim und müssen dann auf ihren eigenen Füßen stehen und für sich selbst sorgen.

 
Bettina
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