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Berichte von unseren Volontären » Sonja - 12. Juli 2013

Sonja - 12. Juli 2013

#1 von Birgit - Admin , 11.07.2013 23:30

Nachdem wir nun 4 Tage hier sind ist es Zeit, einen ersten Bericht über unsere Eindrücke zu schreiben. Wir lernten Matatus, Piki-Pikis, Diani Beach, Einheimische,deren Gepflogenheiten und auch die Kinder der Schule kennen. Anfangs war das alles fremd, ungewohnt und ein wenig beängstigend… Wenn ein Piki-Piki so grade irgendwo vorbeipasst, hält man innerlich dann schon ganz gern mal den Atem an und doch muss man es einfach lieben, da es doch vergleichbar ist mit dem, was man so kennt, wenn man auf einem Mottorrad mitfährt – und doch ist es ganz anders. Kenianischer Verkehr ist ein Phänomen für sich: Linksfahrgebot? Man gewinnt den Eindruck, dass die Straße nur als Weg dient um von A nach B zu kommen. Fußgänger, Radfahrer,Matatus, Piki-Pikis, all das wuselt durcheinander, scheinbar ohne System – und doch muss es eins geben, denn egal, wie eng es mal wird, Unfälle gibt es nicht. Es sei denn, man steigt vom Piki-Piki und kommt an Motor oder Auspuff. Wie festgestellt, kann man sich da schon recht gut verbrennen… Mit einem Matatu zu fahren ist ebenfalls eine Erfahrung für sich. Zu Deutsch Massentaxi genannt, gibt es wohl keinen besseren Begriff für diese Art der Fortbewegung. Mindestens 12 Personen in einer Art Van oder kleinerem Bus ist teilweise wirklich eng und man hängt auch durchaus mal an der Seite raus und genießt den Fahrtwind. Damit der Fahrer weiß, wo man rausmöchte (sofern er das überhaupt vergisst), klopft man einfach an die Wand und er hält- ganz egal, ob da Menschen sind oder eine Ziege oder ein Huhn (die ganz selbstverständlich am Sraßenrand herumlaufen. Wenn sie über die Straße wollen, ist es ziemlich lustig zu beobachten, dass sie zuerst nach links und rechts gucken, ob die Luft rein ist). Hupen und dann geht das schon irgendwie… Denn es gilt wohl das Gesetz: Wer die lauteste Hupe oder das größte Auto hat, gewinnt.
Am zweiten Tag besuchten wir dann Diani Beach. Ein Traumstrand, wie er im Buche steht! Palmen, blaues Meer, angenehm temperiert, usw. Der Sand war einfach nur Sand, keine Steine oder andere unangenehme Untergründe, es war schlicht und einfach Sand. Für mich, die das (und einiges mehr) zum ersten Mal überhaupt erlebt, war es einfach unglaublich. Der „O-Ton“ desTages blieb aber ein Kenianer der fröstelnd dastand und meinte, dass ihm kalt sei – bei 30°C im Schatten. Dabei herrscht hier zur Zeit die kälteste Zeit des Jahres in Kenia…
Die Einheimischen begegnen uns M’zungus (der Weiße, bzw hier den Weißen, die Weißen) ganz unterschiedlich. Kleine Kinder und Jugendliche strahlen und rufen auch aus 50km Entfernung „Jambo! (Dchambo gesprochen)“ was Hallo heißt. Die älteren Menschen tun dies teilweise auch (zumindest Jambo sagen, hinterherlaufen oder aus großen Entfernungen rufen dann doch nicht) doch es passiert auch häufig, dass sie uns skeptisch oder ganz und gar ohne Regung ansehen, wenn man an ihnen vorbei geht oder einem Kind zuwinkt.
Man weiß auch nicht genau, wie man es deuten soll, aber Vergesslichkeit gehört offenbar auch zu den Eigenschaften des ein oder anderen Kenianers. Da fehlt dann durchaus mal das Wechselgeld oder die Menükarte weist Gerichte auf, die darauf gezaubert wurden. Anders ist es nicht zu erklären, dass man bestellt, ewig aufdiese Bestellung wartet und dann hören muss, dass das Gewünschte nicht mehr im Haus sei. Entweder ist es reine Magie, dass dieses Gericht überhaupt auf der Karte steht oder der arme Kellner hat einfach vergessen, es uns bei der Bestellung zu sagen –was ziemlich frustrierend sein kann, wenn man mit Kohldampf hingeht, sicher 30 Minuten warten muss, bis die Bestellung kommt (wenn man bis dahin bereits bestellen konnte, denn das geht ja nur, wenn ein Kellner kommt), dann erfahren muss, dass es das Bestellte nicht gibt und dieselbe Zeit auf seine zweite Sache warten muss – wenn man Glück hat und es die dann auch gibt…Für die Zukunft und alle, die das hier bis hierhin gelesen haben und als Volontär nach Kenia gehen: Überlegt euch schonmal beim Bestellen Plan B und C für alle Fälle – und geht vielleicht schon dann ins Restaurant, wenn der Hunger noch recht gering ist, denn die Portionen reichen in der Regel nicht an die Deutschen heran und wie erwähnt kann es auch recht lang dauern, bis man etwas bekommt; dagegen sind sie aber auch höchstens halb so teuer wie in Deutschland.
Am heutigen vierten Tag stand dann endlich der erste Besuch in der Schule auf dem Programm… Wir hatten keine Ahnung, was uns erwarten würde oder nur eine grobe Ahnung. Als wir das Schulgelände betraten war es kurz vor der ersten Pause und nur vereinzelt liefen Kinder herum. Mr. Joseck, der Headteacher begrüßte uns genauso herzlich wie Obama, Steve und Susan (die Küchenchefs), obwohl letztere eine etwas speziellere Art hatten und weniger förmlich waren dabei. High-Five und doppelte Umarmung ist das Mindeste. Als dann Pause war, bewegte sich niemand mehr von uns alleine über das Gelände, denn nun war ja „M’zungu zumAnfassen“-Zeit. An jedem Zentimeter hingen Kinder an einem dran, strahlten, wollten hochgehoben und herumgewirbelt werden oder nur die Hände halten, Hauttöne vergleichen oder anfassen und berühren. Die Klamotten, die man trägt sollten auch eher dehnbarer sein, da die Kleinen sich beim Versuch, woanders hinzugehen anhängen und dafür auch gern die Kleidung nutzen. Trotzdem schafften Shirley und ich es, eine große Gruppe Kinder in einen Kreis zu bugsieren und „Clap your hands“ und „Head and shoulders“ mit ihnen zu singen und zu demonstrieren. Ein niedlicher Anblick, wenn Dutzende kleinere und größere Kinder dastehen, singen und klatschen, mit den Fingern schnipsen oder mit dem Fuß stampfen und und und. Zwischenzeitlich halfen wir in der Küche, beim Abwasch, organisierten den Unterricht, den wir machen dürfen und probierten das heutige Gericht Ugali. Das ist eine auf breiartige Konsistenz gebrachte Mischung aus Speisemehl und gekochtem Wasser. Wenig davon genügt, um ordentlich satt zu machen, obwohl es pur nicht wirklich nach irgendetwas schmeckt. Dafür gibt es Gemüse, das man nach Belieben unter das Ugali mischen kann o.ä.
Wenn wir alle dann mal nicht außer Haus sind, wird gekocht oder z.B. Poker gespielt, gelesen, usw. Das gestaltet sich nicht immer einfach, da wir uns zu sechst eine Wohnung und das Inventar von Dusche über Toilette,Kücheninventar, etc. irgendwie teilen müssen. Besteck und Teller reichen zwar gerade aus, aber 5 Sitzgelegeheiten für 6 Menschen ist immer eine Reise nach Jerusalem… Not macht erfinderisch und so dient nun eine recht verbeulte Kiste als Möglichkeit, um nicht auf dem Boden sitzen zu müssen oder draußen auf der kleinen Mauer am Eingang – allerdings nicht auf Dauer, da auch dies nicht sehr viel angenehmer ist. Dazwischen stehen dann die Koffer, da die Schlafzimmer nicht den Platz bieten, um auszupacken oder den Koffer zu verstauen. Entsprechend lebt man mehr oder weniger zum größten Teil aus dem Koffer und kann nur wenige Teile dauerhaft außerhalb „lagern“. Man arranigiert sich irgendwie, aber es gibt noch Platz an den Wänden, sodass man in Zukunft durchaus das ein oder andere Brett an die Wand machen könnte um so ein provisorisches Regal zu erzeugen. Es ist nicht verwunderlich, dass man also hie und da einen Tausendfüßler findet und den mit dem Kehrblech entsorgen muss oder dazu auch 3-4 Spinnen.
Spannend ist es außerdem, in einem Bett mit Moskitonetz zu schlafen.Für den ein oder anderen von uns ist das jedes Mal eine kleine Kletterpartie.
Die ein oder anderen Freunde haben wir inzwischen auch. Es bleibt abzuwarten, ob der geplante Ausflug zum Strand am Sonntag mit ihnen zusammen genauso ein Erlebnis wird wie der Dienstagabend mit Tanzen und Armdrücken, aber nach genau dem zu schließen, und der Truppe, die dann zusammenhängen wird, sollte es ein echt geiler Tag werden. Morgen wird an der Schule ein Sporttag sein. Davon und von den Erlebnissen am kommenden Sonntag und was danach kommt, folgt dann bei Gelegenheit ein neuer Bericht.


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