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Sonjas Bericht vom 23.7.2013

#1 von Birgit - Admin , 24.07.2013 08:16

Es ist mal wieder soweit, unsere Erlebnisse aufzuschreiben. Da wäre zum Einen wieder ein Strandbesuch, bei dem wir tatsächlich die Rollen tauschten. Wir hatten gerade unseren üblichen Platz beim „No trepassing“ (Symbol genug, oder???)-Schild eingenommen, als uns die Ersten Kenianer wieder belagerten, allen voran der gute alte Safari-Alex und Schulgeldsammel-Mohammed. Wenn man es erst einmal geschafft hat, die beiden abzuwimmeln, liegt das Genervt-sein-Gefühl schon beinahe über der Toleranz-Grenze und die nächsten Kenianer haben einen ziemlich schweren Stand. Und da passierte es: Wir wollten gerade in Richtung Unterkunft aufbrechen, als uns zwei junge Kenianer aufhielten und uns Armbänder andrehen wollten. Dass sie zwei ihrer Bänder bei uns ließen und dafür eine Fake-Sonnenbrille von Ray Ban bekamen, hatten sie wohl nicht auf dem Zettel gehabt – zumal die Brille 1,20 € wert war und die beiden Bänder umgerechnet etwa 6-7 Euro. Das nennt sich: „klassisches Verlustgeschäft“. Wir hatten unseren Spaß und überlegen nun, am Strand Kugelschreiber und Wasserbälle zu verticken. Es fehlt nur noch ein Geschäftsname.
Am Mittwoch erfolgte auch der erste Spatenstich für das Blumenbeet, das bis zum Samstag fertiggestellt sein sollte. Den Schulrundgang zieren nun Feenpalmen, Madagaskar-Pflanzen und zwei „zufällig gefundene“ Bananenbäume, die uns solange hinterher rannten, bis wir uns ihrer erbarmten und mitnahmen. So kompensierten wir den Mangel an finanziellen Hilfsmitteln und schufen ein Beet, dessen Gedeihen nun in den Händen aller liegt. Diese einfache Arbeit (im Sinne von ohne viele Hilfsmittel) insgesamt und auch die Erlebnisse zuvor (Ich versuchte mich im Rasen mähen mit einem machetenähnlichen Messer und bekam von Mr. Joseck 23%- zu Deutsch: Ich habe versagt) bringen einen zum Nachdenken. Es ist einfach erstaunlich, was man erreichen kann ohne die bequemen Maschinen aus Deutschland. Sogar Handschuhe zum Arbeiten werden hier zum echten Luxus, ein Gut, an das man in industrialisierten Gegenden einfach keinen Gedanken „verschwendet“, ganz einfach, weil es bereits vorhanden ist. Doch hier in Kenia muss man sehen, wie man ohne klarkommt und so lernt man vieles über die Menschen hier, aber auch über sich selbst. Um das Beet zu begrenzen, gaben wir den Kindern als Hausaufgabe auf, etwa faustgroße, glatte Steine mitzubringen, die wir in der nächsten Zeit kalken/anmalen werden – und wieder bewiesen sie, dass Disziplin hier unter ihnen ganz anders praktiziert wird als in Deutschland. Bis auf 2,3 Kinder hatte wirklich jeder einen Stein dabei und dazu die Vokabeln aus der Stunde tipptopp gelernt. Und wenn man gerade schon beim Thema Disziplin ist: Jedes Kind unserer Nachbarn hier zieht die Schuhe aus, bevor es hineingeschneit kommt. Wie viele von 100 Kindern in Deutschland tun dies?
Donnerstag stand dann auch die erste Stunde unserer Tanz-AG für die Klassen 5-8 auf dem Programm. Shirley und Annika entwickelten am Abend zuvor eine Choreographie, die sie den Kindern vermitteln wollten. Kurz vor Beginn meldeten wir die Stunde in den betreffenden Klassen an – das Ergebnis übertraf jede Erwartung. Knapp 80 Schüler kamen und wollten den Tanz erlernen, den die beiden unter begeisterten Blicken vortanzten und anschließend anfingen beizubringen. Zur Stunde an sich lässt sich sagen, dass es dauerte, die Kinder in die richtigen Positionen zu bringen, da sie alle durcheinander wuselten und sich 5 mal vergewissern mussten, dass der Platz an dem sie standen auch wirklich der Richtige sei (dazu rannten sie aus der ersten Reihe nach hinten und beschrieben, wo sie standen – und das nicht nur einer sondern einige und alle brabbelten durcheinander) aber als das endlich geschafft war, stellte jeder Einzelne sein Talent unter Beweis. Zwar hatte der ein oder andere Junge noch immer den Scherzkeks intus ( und tanzte im wahrsten Sinne des Wortes aus der Reihe – mit voller Absicht, was man am breiten Grinsen im Gesicht sehen konnte) aber alles in allem fehlen nur noch zwei, drei Moves und die ein oder andere Korrektur eines Arms in die richtige Richtung. Doch wir haben kommenden Donnerstag ja noch eine Stunde in der wir das sicherlich hinbiegen können.
Je mehr Zeit man hier verbringt, desto mehr lernt man über Sitten und Gepflogenheiten, wie bereits oben erwähnt. Vor wenigen Tagen wurde mir bewusst, dass keine Frau hier lange Haare trägt, als wir mit noch vom Duschen nassen Haaren (die in der Sonne hier selbst wenn sie dick sind in gut 10 Minuten trocken sind) gemeinsam zum Shop um die Ecke liefen um Obst und Gemüse zu kaufen. Wir Mädels, die wir die Haare offen ließen um sie durchtrocknen zu lassen, wurden von allen Seiten angestarrt, teilweise bewundernd, teilweise neidisch und teilweise undeutlich, bzw. verspürte man nicht das Bedürfnis, weiter darüber nachzudenken, was dieser Blick heißen könnte. Kurze Haare sind hier nun mal gängig und mit langen fällt man auf.
Gestern fuhren wir dann wieder zum Strand. Ohne Marco und Annika, die eine Safari in Tsavo East machten, ließen wir den Kenianern noch eine Galgenfrist, ehe sie von unseren genialen DLRG-Kulis überrollt werden und chillten dort. Am Ende verbrachten wir noch ein wenig Zeit in und mit einem kulinarischen Ambiente (Tintenfischsuppe, die ich nicht probiert habe, Fisch, den ich ebenfalls nicht aß und Brot. Das wiederum hab ich gegessen…Bin halt kein Fan von Fisch). Dabei erhielten wir Gesellschaft von einem Affen, der nur allzu bereit war, als Fotomodell zu dienen und gute Manieren zeigte.
An diesem Abend kamen Marco und Annika wieder und die Gruppe war wieder vollständig. Das merkte man allein schon daran, dass Timo und Marco wieder vereint waren und es im Haus sofort wieder lauter wurde. Die zwei sind einfach lustig bekloppt. Insgesamt sollte es ein langer Abend werden.
Unser Katzenrudel ist weiter angewachsen. Neben Igor, Fritzl und Gülcan (ehemals Gudrun, aber weil sie von morgens bis abends nur „redet“, haben wir sie in Gülcan umbenannt) erhalten wir nun Visiten von einer weiteren Katze, deren Geschlecht wir noch ermitteln müssen. Ist sie männlich wird sie Ingo oder Edward heißen, im Falle eines Weibchens Bella oder Hildegard.
Unerwähnt sollte auch der Regen in Kenia nicht bleiben. Um es kurz zu machen: Beginnen die ersten Tropfen zu fallen, sollte man sein Ziel möglichst schon erreicht haben oder zumindest eine Gelegenheit finden, sich unterzustellen, da der Regen in kürzester Zeit nur so prasselt – und genauso schnell wieder vergeht. Theoretisch kann man es auch so machen wie wir es tatsächlich beobachtet haben: Shampoo nehmen und duschen. Es war der Anblick des Tages, einem Kenianer dabei zuzuschauen (natürlich heimlich!), wie er sich im Regen duschte…
Zu guter Letzt sei erwähnt, dass das Rutschen an der Schule nur noch mit Schutzpanzer absolviert werden sollte. Da ich zwar vorm Gesetz mit 19 Jahren zwar als erwachsen gelte, lasse ich es mir nicht nehmen, Kinder-Rutschen zu nutzen. Anders als in Deutschland rutscht man aber nie alleine, sondern mit 3,4 Kindern auf einmal, die sich vorne, hinten, oben und unten an einen klammern und mit rutschen wollen. Unten angekommen ist es ein einziges Gliederknäuel und meine Arme und Beine weisen inzwischen ein paar blaue Flecken und Reibekuchen (kleinere Abschürfungen) auf. Aber der Spaß der Kinder, ihr Lachen und alles drumherum macht das mehr als wett…Obwohl so ein Schutzpanzer…Mh, ne doch nicht.
Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen werden, doch das wird dann Teil des neuen Berichts…


Birgit - Admin

 
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