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Bericht von Alexander - 02. August 2013

#1 von Bettina , 02.08.2013 17:37

4 Wochen in Kenia sind beinahe vorbei und ehe es zum Abschlussbericht kommt, sollen die zuletzt erlebten Ereignisse hier Erwähnung finden. Seit dem letzten Bericht ist vieles passiert. Es begann mit einem Besuch bei einem Freund, wo wir mit 9 Mann auf höchstens 15m² zusammensaßen und auf einem kleinen Fernseher eine DVD guckten. An sich war das Gefühl recht angenehm und heimelig, abgesehen davon, dass wir von unserem Tag an sich hier schon echt müde waren. Wenn man aber bedenkt, dass manche Familie hier dies jeden Tag erlebt, ohne Fernseher, kleinem Sofa oder schnell und klaustrophobischen Anwandlungen „leidet“ und große Gruppen auf Dauer so eng zusammen nicht mag, wäre es dann wohl eher nicht so gut. Aber ich glaube, dass solche Gefühle nur aufkommen können, weil man es anders kennt und wir auch die Möglichkeit dazu haben. Viele hier haben das nicht.
Es regnet immer noch. Vor ein paar Tagen beinahe 2 Tage ununterbrochen; man hätte darin duschen können oder Wäsche waschen – was die meisten Kenianer auch so nutzen, indem sie das Regenwasser in Tonnen, Kesseln, Zubern, etc. auffangen und zum Kochen, Putzen, Waschen, Duschen usw. verwenden. Katzen verhalten sich bei dem Wetter genauso wie die meisten in Deutschland – sie meiden das Wasser (Gudrun schüttelt sogar nach gefühlt jedem Schritt ins Nasse die Pfote aus, was ziemlich lustig aussieht und ihr ein gewisses Etepetete-Verhalten verleiht) und kommen lieber rein um zu kuscheln, uns die Ohren vollzumaunzen und in leeren Betten oder Ecken zu schlafen.
Dass Kenianer nach so einem Guss auf ihren Straßen noch laufen können ohne nennenswert zu rutschen, hat sich mir zunächst nicht erklärt. Inzwischen hab ich durch Beobachten herausgefunden, dass sie die Füße mehr an bestimmten Stellen belasten und so das Körpergewicht anders verteilen. So minimieren sie ihre Rutschgefahr – es hilft tatsächlich. Sogar beim Fußball spielen, wie ich festgestellt hab. Letztens gab es eine Stunde PE (Physical Education = Sport), in der Fußball gespielt wurde. Es war sehr schön und ganz anders als in Deutschland, erstens weil der Lehrer mitgespielt hat und zweitens weil es tatsächlich Unterricht war. Zu Hause heißt es immer: Nicht so viel, nicht so wüst usw. und der Lehrer steht an der Seite und guckt. Hier wurde wirklich gespielt, alle zusammen und wenn es etwas zu korrigieren/erklären gab, tat Mr. Jerome das während des Spiels.
Neben dem Unterricht, Arbeiten in der Küche und was sonst so getan wird, erledige ich Office (Büro) – Arbeiten mit Ms. Mwakisha. Dazu gehen wir jeden Tag zum Copy-Shop spazieren und reden. Die Reaktionen auf Weiße wenn sie mit kenianischen Freunden unterwegs sind, variieren nicht mehr so wie vorher. Kinder rennen einem nach wie vor hinterher und kreischen aus 50 km Entfernung „Jambo!“, aber jetzt sind noch mehr Erwachsene freundlich und geben die Hand. Witzig ist es dann zu sehen wie sie gucken, wenn man sie überrascht und ein paar Worte Suaheli spricht – vor allem dann, wenn man „Mambo!“ sagt und nicht „Djambo!“… An sich muss man aber die kenianische Mentalität lieben oder zumindest gern haben. Obwohl es manchmal wirklich etwas viel ist, ist es mir lieber, einmal zu oft begrüßt zu werden, als wie in Deutschland (zumindest im Rheinland) an Menschen vorbeizugehen und noch nicht mal ein „Hallo!“ zu hören. Teilweise kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass man dort auch vor den Augen sterben könnte und es würde niemanden interessieren. Kenia bildet da in meinen Augen wirklich ein Gegenteil. Ein Beispiel dafür könnte auch unser gestriges Erlebnis sein. Wir waren mit Piki-Pikis unterwegs als wir direkte Zeugen eines Unfalls wurden. Wie in Deutschland bildete sich zuerst eine Menschenmenge, die wir sofort mieden um dann aus der Entfernung das Geschehen zu beobachten (das Bein des Opfers werde ich trotzdem nie vergessen): Der Verletzte wurde in jemandes Auto verfrachtet und ins nächste Krankenhaus gebracht und die Übrigen räumten die Straße auf. Binnen 10 Minuten war nichts mehr zu sehen. Deutsche Handlungsweise? Alle bilden einen Kreis und glotzen, keiner macht was und irgendwann kommt dann die Polizei mit Arzt und es dauert ein paar Stunden, bis alles vorbei ist.
Diese paar Stunden verbrachten wir am Sonntagabend anders – allerdings negativ. Wir wollten an Shirleys letztem Abend hier ins Mango Tree fahren und dort die restliche gemeinsame Zeit zusammen verbringen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es dort seit Neuestem die M’zungu-Steuer gibt. Da soll man dann statt 800 Schilling 1000 zahlen, denn 3+2 ist nicht 5, sondern 7. Kleine Saftgrößen sind auch auf einmal große, was einem dadurch „bewiesen“ wird, dass man 2 Gläser bringt und die Flüssigkeit aus dem einen in das andere schüttet und „big one“ sagt. Letztendlich hat unser Aufenthalt dort beim Zahlen in etwa genauso lange gedauert wie das Essen und das vermutlich auch nur, weil wir bestimmter wurden und neben unserer Kellnerin eine weitere Frau kam, die mehr als nur ein paar Worte Englisch sprach – und vielleicht auch, weil wir der Bedienung schließlich einen Taschenrechner anboten. Ganz freundlich versteht sich!
Zu guter Letzt fanden von Montag bis heute (Mittwoch) Prüfungen an der Schule statt. Neben Aufsicht während der Prüfung durften wir auch korrigieren – vermutlich, weil man zur Lösung eines Multiple Choice-Tests nicht großartige bewertende Fähigkeiten haben muss… Trotzdem hat das echt Spaß gemacht und einen wehmütig werden lassen. Ich wünschte, unsere Abitur-Prüfungen wären auch nur Multiple Choice gewesen. Insgesamt gibt es 50 Fragen, die in einer bestimmten Zeit absolviert werden mussten (die von Fach zu Fach unterschiedlich ist). Der Schüler muss etwa 60% richtig haben, um die Prüfung zu bestehen.
Zu guter Letzt möchte ich noch zwei Erlebnisse erwähnen, die ich ziemlich schön fand. Da ist zum einen, dass ich einem kleinen, 11 Monate altem Kind beim Laufen helfen durfte. Der Kleine kann zwar schon kleine Schritte alleine gehen, aber heute saß ich draußen und schaute der Mutter und ihrem Kind zu, bis es plötzlich die Hand nach mir ausstreckte und mit mir laufen wollte. Es war ein schönes Gefühl – und ich staune immer wieder, wie kräftig diese kleinen Patsche-Händchen eigentlich zupacken können. Des Weiteren sollte jeder Volontär mindestens einmal mit dem Schulbus fahren. Entgegen deutschen Bussen für kleine Kinder ist auch hier Disziplin der Begriff, der alles beschreibt. Alle sitzen, bleiben auch sitzen, singen und strahlen, sobald sie einen sehen. Die Busfahrt an sich ist ein Ereignis für sich, weil er egal wie schmal oder schlecht die Straße ist, überall vorbei passt – auch wenn sich ab und zu mal die Räder durchdrehen, weil die Pfütze zu tief ist und die „Straße“ drumrum zu matschig, um für die Reifen griffig genug zu sein. Dann ist es manchmal ein Geschaukel, das man hie und da ein wenig mit dem von Schiffen vergleichen kann. Generell ist es etwas, was man erlebt haben sollte – egal, ob man es danach noch einmal machen will oder nicht.
Am Freitag wird wieder Sporttag sein und nachmittags spielen die Mädels Fußball. Mr. Joseck hat mich verpflichtet mitzumachen – im Tor. Da hab ich wohl Pech gehabt, ihm am ersten Tag auf die Frage, welche Hobbys ich habe, u.a. Fußball geantwortet zu haben. Ich hoffe mal, dass ich mich nicht zu dumm anstelle und dass das Team, in dem ich spielen werde, nichts bereut…Von meinem Abschneiden (vielleicht ;-)) und den letzten Tagen dann im finalen Bericht aus Deutschland mehr.

 
Bettina
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