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Bericht unserer Volontärin Ronja März 19, 2014

Bericht unserer Volontärin Ronja März 19, 2014

#1 von Birgit - Admin , 21.03.2014 18:04

Eine vollkommen neue Erfahrung in Kenia

Es ist Donnerstag, ich wache auf, die Sonne scheint und ich geniesse meinen Kaffee auf der Terrasse . Ich schaue mich um und zum ersten Mal kann ich sehen wie schoen es hier eigentlich ist. Und dennoch bin ich froh Samstag umzuziehen. Salama, ein Arbeiter von der Schule, der mich jeden morgen abholt und zur Schule bringt, kommt zur Tuer herein und fragt mich wie es mir geht. Zusammen laufen wir schweigend neben einander her, denn Salama spricht weder English noch Deutsch und ich kein Kisuaheli, aber es ist nicht unangenehm, dass wir nicht sprechen. Ab und an schaue ich ihn an und laechel, er laechelt zurueck und dass reicht an konversation. Der Weg macht hunderte Biegungen aber heute ist das erste Mal dass ich nicht das Gefuehl habe mich konzentrieren zumuessen denn ich weiss ich werde diesen Weg niemals alleine laufen muessen. So habe ich Zeit fuer meine eigenen Gedanken und Zeit mir die Umgebung richtig anzusehen. Hier und da steht ein kleines verputztes Haus, aber um so oefter sehen ich kleine Holzhuettchen die mit Lehm und Erde verputzt sind. Die Kinder spielen vor dem Haus mit selbstgebastelten Dingen und geniessen jeden kleinen windstoss. Ein Geruch von jasmin liegt in der Luft und hier und da hoert man Voegel zwitschern. Es ist ein anderes Zwitschern als in Berlin oder in Kibiku aber es ist schoen. Wir biegen um noch eine Ecke und da kann ich schon das Schultor sehen ich bedanke mich bei Salama und suche mir meinen Weg zum Schulleiter um hallo zusagen und die Sache mit dem Umzug zuklaeren. Als ich jedoch ankomme ist sein Buero voller Menschen und ch entscheide mich die Sache spaeter mit ihm zu besprechen. Da ich erst um 12.05 meine erste Stunde habe gehe ich zur Kueche und helfe Sukuma zu schneiden. Von Kibiku bin ich das ja schon gewohnt. Die Messer hier sind viel schaerfer nd so daeuert es keine 10 Minuten bis ich mich schneide. Zuerste spuere ich ein Brennen, dann sehe ich das Blut spritzen, und erst dann spuere ich den Schmerz. Es blutet unglaublich stark und eine Sekunde lang denke ich ich haette mir ein Stueck vom Finger abgeschnitten. Reflexartig will ich zum Wasserhahn gehen, auf dem Weg dorthin komm ich allerdings am Ugalitopf vorbei und natuerlich tropft mein Blut hinein und vermengt sich in Sekunden schnelle mit dem Wasser. Jeder tut so als haette er nichts bemerkt und auch das leicht rosane Ugali versucht man zu ignorieren, worum ich sehr froh bin. Nun ja nachdem ich meinen Finger mit Wasser abgeschwaschen habe sehe ich dass es nur ein schnitt ist, zwar ein recht tiefer aber nicht weiter schlimm. Dennoch kann ich das Sukuma schneiden fuer heute vergessen und beschliese daher jetzt gleich zu Josec, dem Schulleiter zugehen. Schon als ich eintrete und sage ich muesse mal mit Ihm reden weiss er worum es geht. Aber zum Glueck stosse ich bei Josec auf Verstaendnis. Er entschuldigt sich dafuer, dass ich alleine dort wohne und dafuer dass dort alles so chaotisch und uneinladend war. Zusammen versuchen wir nach Loesungen zu suchen, denn ich wuerde sehr gerne weiterhin in der Schule unterrichten, jedoch ist die Fahrt mit dem matatu ziemlich lang und anstrengend. Schlussendlich schlagt Josec vor, ein Pikipiki zu organisieren welches mich am Samstag abholen wird und zum Backpackers fahren. Dann soll dieser mir sagen wie viele es kosten wuerde mich taeglich abzuholen,hinzufahren und am Ende des Tages wieder.
Meine Unterrichtsstunden verlaufen recht gut. Ich habe mir zuhause einen genauen Plan gemacht wie ich was und wann machen moechte, denn in den letzten tagen hatte ich gemerkt dass es anders nicht funktioniert. Die Schulstunden sind hier nur 35 Minuten lang und so kam es vor, dass ich grade erst richtig angefangen hatte als die Stunde schon vorbei war. Aber nun bin ich vorbereitet, habe verschiedene Aufgaben und Wiederholungen. Schnell jedoch merke ich dass die meisten Kinder nicht wirklich viel im Gedaechnis behalten haben und dass ich wohl oder uebel die meiste Zeit hier in der Schule Wiederholungen machen werde und falsch gelernt Sachen richtig stellen muss. Viele von den Kindern scheinen auch Schwierigkeiten in English zu haben, was die Sache nicht wirklich leichter macht, aber sie bemuehen sich alle sehr weswegen es mir unglaublich viel Spass macht. Als ich am Ende des Tages nach hause komme bin ich vollkommen erschlagen von der Hitze, den neuen Eindruecken und allem was sich in den letzten Tagen ereignet hat. Ich leg mich ins Bett und schlafe sofort ein. Als ich wieder aufwache ist es bereits 7 Uhr Abends, mein Magen knurrt und ich mache mir etwas zum Essen. Mit dem vollen Teller setzte ich mich auf die Terasse und es dauert nicht lange bis eine Handvoll Nachbars Kinder um mich herum steht und beschaeftigt werden will. Die meisten werden von ihren Muettern zurueck gerufen ausser Angle. Sie ist 9 jahre alt und unglaublicbh an Deutschland interessiert. Ich beantworte ihr jede ihrer Fragen, doch irgenwann hoffe ich ihr eine andere Beschaeftigung geben zu koennen, denn ich will eigentlich essen. So druecke ich ihr Perlen und Garrn in die Hand, welches ich von Nairobi mitgenommen habe und sie scheint gluecklich. Nachdem sie mir und ihr ein Freundschafts Armband gemacht hat muss sie ins Bett und auch ich fuehle mich bereit dazu.
Als ich am Freitag fertig vor dem Haus stehe und auf Salama warte, warte ich vergeblich. Nach ueber einer halben Stunde mache ich mich allein auf en Weg und hoffe instaendig ich nicht zuverlaufen. Immer wieder rede ich mir ein auf dem richtigen Weg zu sein, aber irgendwie sieht alle so anders aus als die letzten Tage. Aber ich schaffe es schlussendlich und komme stolz in der Schule an wo mir mittgeteilt wird, dass Salama heute seinen freien Tag hat und man mich irgendwie vergessen haben muss. Meine Aufgabe vor den Stunden heute, 500 Tassen ohne funktionierendes Wasser waschen. Ich sitze in der prallen Sonne und es ist schrecklich heiß, aber irgendwie habe ich Spass an der ganzen Sache was wohl vorallem daran liegt, dass Obama viel erzaehlt und es einfach unglaublich lustig mit ihm ist. Danach schneide ich hunderte Zwiebeln, esse Mittag, wasche 500 Teller und habe meine Stunden.
Den Weg nach Hause schaffe ich nun ohne Probleme und eigentlich sollte ich anfangen zu packen und ein wenig aufzuraumen aber irgendwie bin ich schon wider viel zu erledigt und motivationslos.
Als ich am Samstag aufwache ist es schon recht spaet, so packe ich schnell meine Sachen, fege und wische und bin dann auch schon auf dem Weg zum Pikipiki. Mit einem Rucksack, zwei Taschen und einer riesigen Tuete bepackt kletter ich auf das Motorrad und los geht die Reise. Knapp eine Stunde spaeter bin ich am Ziel, zahle 250 Schillinge und damit vollkommen zufrieden. Pro Tag gerechnet sind das zwar ca. 5 Euro an Fahrtkosten aber da ich wirklich gerne in der Schule bleiben mag muss ich mich wohl damit arrangieren.
Ich stehe also vor dem Backpackers und klopfe, aber niemand macht auf. Es vergehen bestimmt 10 Minuten. 10 minuten in denen ich komplett verunsichert bin und nicht wirklich weiss was ich machen soll. Doch dann endlich geht die Tuer auf und ich kann sofort in mein neues Bett ziehen und fuehle mich angekommen und zuhause. Den Tag dudel ich im Pool herum, skype mit Freunden und muss mich erstmal daran gewoehnen dass so viele mir unbekannte Menschen um mich herum sind. Am ersten Abend bin ich noch recht zuruckhaltend und gehe frueh ins Bett aber dass soll sich schnell aendern. Am Sonntag treibt es mich zum Strand und ich finde schnell Begleitung. Ich liege in der Sonne schaue auf das Meer hinaus und bin gluecklich. Das ist wahrscheinlich der gluecklichste Moment seit den letzten Wochen, denke ich mir und schlafe ein. Als ich aufwache spuere ich den Sonnenbrand, mein Kopf ist absoluter Matsch und ich habe Hunger. Da ich mit dem Hunger nicht alleine bin, begeben wir uns in das naechste Resturant, mit Meerblick und essen Fisch. Sobald wir wieder im backpackers sind springe ich in den Pool und realisiere was fuer einen Luxus ich momentan lebe. Am Abend trinke ich das ein oder andere Bier und werde mega schnell angeheitert und muede. Als die anderen losziehen um tanzen zu gehen bleibe ich lieber zuhause und gehe ins Bett, immerhin muss ich ja morgen auch wieder zur Schule gehen und das nehme ich recht ernst.
Das pikipiki kommt wie bestellt und wir fahren einen mir unbekannten kleinen Feldweg entlang, der wunderschoen ist. Rechts und links ins nur Natr zusehen, so weit das Auge reicht. Ab und an kommen wir an kleinen Lehmhuetten vorbei und es ist das erstemal das ich mich so richtig wie in Afrika fuehle. In der Schule mache ich wieder den Abwasch, spaessel viel mit Susan, Steven und Obama und bin froh hier zu sein. Die Stunden laufen wie geplant, die Kinder bemuehen sich und ich bin zufrieden als ich mit dem pikipiki wieder im backpackers ankomme.
Hier sind so viele Menschen, dass ich sie gar nicht alle beschreiben kann. Und sie machen immer wieder die komischsten Dinge. Helena, ein Maedchen aus Oesterreich hat bestimmt 2 mal versucht hier wegzukommen bevor sie es geschafft hat. Das erste mal hatte sie vergessen zu bezahlen und blieb. Das zweite Mal verschlief sie und blieb. Das dritte mal hat es dann wohl geklappt. Jeden Abend ist hier was los, manche betrinken sich sinnlos, andere weil sie es koennen aber immer gibt es was zulachen. Unter der Woche reisse ich mich zusammen, bin immer recht frueh im Bett und habe meinen Spass in der Schule.
Als ich am Montag in die Schule fahre beauftrage ich meinen Pikipikifahrer sich nach einem neuem Ladekabel umzusehen aber er wird keines finden. Es ist ein ziemlich heisser Tag und alle in der Schule sind in einen langsamen Modus verfallen. Ich habe als erstes Unterricht in der 5. Klasse. Ich bin grade dabei den Kindern ein und eine beizubringen, als einer der Lehrer hineinkommt und fragt ob er sich mal kurz zwei meiner Schuelerinen ausleihen koennte. Ich sage ja und rechne nicht mit dem was kommen wird. Als sie nach 10 Minuten zurueck in die Klasse kommen, sind sie kreide bleich, sagen nichts, setzten sich hin und beginnen beide zu weinen. Ich drehe mich um, gebe den andere Aufgaben und gehe zu ihnen. Ich streichel ihren Ruecken und frage was los ist aber keine von ihnen antwortet mir. Als die eine der beiden Ihren Kopf hebt um die nase hochzuziehen sehe ich ihre rechte Hand. Sie ist geschwollen und blutet. Ich versuche die beiden zu beruhigen aber beide haben schmerzen. Ich bin kurz davor auch zu weinen, denn ich bin vollkommen mit der Situation ueberfordert. Ich meine ich wusste dass es in Kenia normal ist die Kinder zuschlagen, aber erlebt habe ich es noch nie. Vollkommen verunsichert versuche ich die Stunde weiterzufuehren bin aber sehr dankbar als die Stunde endlich vorueber ist. Ich weiss nicht was ich machen soll. Ich bin voller Wut und ich weiss es waere keine gute Idee jetzt zu dem Lehrer zugehen um mit ihm zusprechen, daher gehe ich erst einmal in die Kueche, frage ob es an dieser Schule auch erlaubt ist und erfahre dass das nicht der Fall ist. Nun fuehle ich mich in meinem Vorhaben mit dem Lehererzusprechen gestaerkt, doch dieser ist vollkommen uneinsichtig, wierft mir vor die Kultur nicht zu akzeptieren und rastet vollkommen aus. Vollkommen Wut geladen werfen wir uns alles Moegliche an den Kopf, ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu gelangen. Darauf hin gehe ich zu Josec, welcher sichtlich schockiert ist.
Nach diesem Vorfall bin ich ziemlich mitgenommen und verlasse die Schule schon um 2.
Am Mittwoch hab ich frei und kuemmere mich ausschliesslich um meinen Laptop, um zu erfahren dass er kaputt ist und nicht das Ladekabel. Aber ich finde mich recht schnell damit ab und schreibe dann auf Esthas Laptop, was auch nicht weiter schlimm ist.
Und dann realisiere ich wieder ein mal wie schnell die Zeit vergeht und wie schoen mein Leben momentan ist.


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RE: Bericht unserer Volontärin Ronja März 19, 2014

#2 von Birgit - Admin , 21.03.2014 18:05

Future for Kids - Kenya e.V.
Zu dem ( neuen) Lehrer ist anzumerken, das er eine strenge Verwarnung bekommen hat und am nächsten Morgen ein Lehrermeeting stattgefunden hat wo alle noch mal darauf hingewiesen wurden, das Schlagen an der Diani Busara Junior Schule verboten ist.


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Bericht von Janne am 19. September 2014
Nachtrag zum Bericht vom 11.02.2014 Diana und Daniel

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