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Berichte von unseren Volontären » Lisa in Kenia

Lisa in Kenia

#1 von Ines , 10.03.2016 09:33

Lisa in Kenia: Und nun ist auch schon die erste Woche vorbei….

Am Montag Mittag landete ich in Mombasa, wo mich Moses abholte und zum neuen Volontärhaus fuhr. Auf dem Weg dahin sammelte ich schon die ersten Eindrücke von dem Land und der Gegend. Es sind so viele Menschen auf der Straße und vor allem wenn man dann auf die Fähre fährt, wird es richtig voll. Da es in Deutschland bei Abreise noch ziemlich kalt war und es im Flugzeug auch nicht immer so warm ist, hatte ich noch meine Jogginghose an, was sich dann spätestens bei unserer Autopanne auf dem Weg zum Volontärshaus rächte.
Denn Moses tankte ausersehen Diesel anstatt Benzin in sein Taxi (da er meistens TukTuk fährt und diese Diesel benötigen, hat er nicht mehr dran gedacht, dass das Taxi Benzin benötigt). Da das mit dem Auspumpen aus dem Tank nicht so wirklich geklappt hat, bauten er und die Mitarbeiter und Bekannte an der Tankstelle den Tank aus und leerten und säuberten ihn.
Dies beanspruchte sehr viel Zeit, genau genommen 3 Stunden in Anspruch, währenddessen ich davon die meiste Zeit im Auto saß, da ich doch noch ziemlich überwältigt und eingeschüchtert war von den ganzen neuen Eindrücken.
Nachdem aber Martano und Moses immer wieder was zu trinken brachten, traute ich mich dann irgendwann doch aus dem Auto und schaute mich vorsichtig um.
Weil ich schon so großen Hunger hatte, da ich das letzte mal nachts beim Flug nach Nairobi was gegessen hatte, kaufte ich mir kurzerhand ein bisschen Obst an einem Obststand am Stra0enrand.
Danach gesellte ich m ich zu Martano und dessen kleine Schwester Victoria und spielte mit Victoria so lange, bis das Auto wieder funktionierte.

Mit über 3 Stunden Verspätung kamen wir dann am Voluntärhaus an, wo uns Mr. Githua schon erwartete und mich ganz herzlich in den Arm nahm und mich an sich drückte.
Er zeigte mir das Voluntärhaus und alle Räume wie Schlafzimmer, Küche und Bad. Da er mir anmerkte, dass ich ziemlich müde bin, ließ mich Mr. Githua und Moses relativ schnell alleine, damit ich mich einrichten kann und dann schlafen gehen kann.

Nur war an Schlafen so schnell nicht zu denken. Während ich mir das Haus nochmals selbst ansah und überlegte in welchem Zimmer ich schlafen möchte, musste ich erstmal die eine “Schranktüre” zu machen, da es da nur so vor Moskitos wimmelte. Außerdem entdeckte ich, dass im Bad sich um die Toilette eine riesen Pfütze bildete. Ich beschloss erst einmal zu duschen und dann meine Sachen auszuräumen und mich um den Rest morgen zu kümmern.
Allerdings kam es nach dem Duschen nicht mehr dazu, da es einen Stromausfall gab. Total verzweifelt und überfordert mit der Situation suchte ich nach meiner Taschenlampe im Koffer. Da aufgrund des Stromausfalls auch keine Ventilatoren gingen, war ich aufgrund der ungewohnten Hitze am Rande der Verzweiflung und kam nicht zur Ruhe, bis nach fast 5 Stunden um 1 Uhr nachts wieder die Lichter und die Ventilatoren angingen. Die Dunkelheit und all das Neue und vor allem die Krabbeltierchen im Haus setzten mir ein bisschen zu, sodass die erste Nacht im Voluntärhaus sehr einprägsam war und die ersten Abende alleine in dem Haus immer wieder Schrecken vor einem erneuten Stromausfall auslösten.


Allerdings entschädigte der nächste Tag in der Schule für alles in der vergangenen Nacht. Um 8.30 holte mich Salahma ab und wir gingen gemeinsam zur Schule. Dort erwartete mich schon Mr. Githua und begrüßte mich herzlich. Dann zeigte er mir die Schule und stellte mich den Klassen und den Lehrern vor. Das waren so viele neue Gesichter, dass ich mich im Vorfeld schon dafür entschuldigte, wenn ich nicht alle Namen mehr zusammenbekomme. Zum Schluss brachte er mich zur Küche, wo mich Susan, Steve und Obama herzlich empfingen und in die Arme nahmen.
Mr. Githua schlug vor, dass ich erst am zweiten Tag unterrichten soll, da ich heute erstmal die Schule ein bisschen kennenlernen sollte und am Anfang nur in der Küche mithelfen soll.
In der Küche half ich dann Obama das Gemüse für den Lunch zu schnibbeln und Susan das Geschirr für die Frühstückspause vorzubereiten. So gegen 10 Uhr kommt dann die Babyclass und nimmt den Frühstücksbrei zu sich und danach die anderen Klassen.
Anschließend half ich Susan beim Abwasch und vorbereiten des Mittagesssens, das ich dann mit Elisabeth und Miriam an die Kinder der Babyclass verteilte. Danach ging ich in die Babyclass und half beim ausfüllen der Classbooks.
Dann war der Schultag auch schon vorbei und ich ging anschließend in Naivers einkaufen, um mich grundlegend mit Nahrungsmitteln und Wasser auszustatten. Hierbei fur ich mit dem TukTuk zum Naivers und zurück. Da ich die gewöhnlichen Preise nicht wusste und die meisten Kenianer denken, dass Weiße reich sind, wurde ich für diese Fahrt ziemlich übers Ohr gehauen und zahlte das 5-fache des gewöhnlichen Preises, nämlich 200KSH anstatt nur 50 KSH. Dies weiß ich aber erst, nachdem ich Susan erzählt hatte, was ich für das TukTuk bezahlt hatte und sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat und gemeint hat, dass die Fahrer mich da ganz schön über den Tisch gezogen haben und der Normalpreis einer Fahrt eigentlich bei 50 KSH liegt.

Die nächsten Tage begann ich dann die Klassen 3, 4, 5, und 6 in Deutsch zu unterrichten. Die 3. Und 4. Klasse hatte bisher keinerlei Kenntnisse in Deutsch, weshalb wir mit dem lernen der Wochentage, Monaten und Zahlen begannen.
Die Klassen 5 und 6 haben schon Deutschkenntnisse, weshalb ich die ersten Stunden erstmal damit verbracht hatte herauszufinden, auf welchem Stand sie sind, um mich dann besser auf den Unterricht vorbereiten zu können. Glücklicherweise konnte ich mir ein Heft, der Kinder ausleihen und schaute dann abends im Haus, was die Kinder bisher schon gemacht haben und dies ggf. zum Teil zu wiederholen und zu erweitern.

Außerdem half ich jeden Tag in der Küche beim zubereiten des Mittagessens sowie bei der Ausgabe des Frühstücksbreis und dem anschließenden Abwaschs.
Es ist so geregelt, dass wenn ich keinen Unterricht habe in der Küche helfe oder in der Babyclass oder im Kindergarten mithelfe oder mit den Kindern male.
Da diesen Freitag die Examen begannen, wurde ich auch für die Aufsicht für eine Stunde zugeteilt, in der ich aufpassen musste, dass die Kinder nicht schummeln oder miteinander reden.
Außerdem besprach ich mit Mr. Githua die verschiedenen Projekte, die ich gerne in meiner Zeit in Angriff nehmen möchte und wann der ideale Zeitpunkt sei. So steht zum Beispiel das bemalen der Wände oder das bemalen von T-Shirts auf der to-do-Liste, die ich mir für meine Zeit hier vorgenommen hatte.

Am Freitag brachte ich den Kindern einen Fußball mit in die Schule, den ich ihnen schenken wollte.
Die Kinder freuten sich so sehr über den Ball, dass sich alle fast auf mich stürzten und sich an mich drückten und sich tausend mal bedankten. Sie fragten mich, ob ich nicht mit ihnen mitspielen möchte und so spielten wir dann Freitag nach der Schule noch ein bisschen Fußball zusammen, während immer wieder einzelne Kinder zu mir kamen und sich für den Ball bedankten.
Als ich dann ging, kam sogar Sabrina, eine Schülerin des Kindergartens, die direkt neben mir wohnt) zu mir und nahm meine Hand und fragte, ob wir zusammen heimgehen würden.
Das war ein tolles Gefühl, die Freude in den Augen der Kinder zu sehen und das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass sie einen gerne um sich haben und auch auf eine gewisse Art und Weise brauchen.

Seit Dienstag, bin ich nun jeden Abend bei Susan, da sie direkt neben mir wohnt und ich mich alleine in dem großen Voluntärhaus so verloren fühle und es auch ein bisschen langweilig ist so ganz allein. Meistens kochen und essen wir jeden Abend gemeinsam oder ich bin mit ihr zusammen zu Naivers gefahren und habe Sie als Dankeschön, dass sie immer für mich da ist und ich zu ihr kommen kann jeden Tag zum Essen eingeladen.

Am Samstag habe ich dann meine Safari gebucht und war am Diani Beach. Dieser Strand und seine Kulisse ist so überwältigend, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam. Ich blieb den ganzen Samstag dann am Strand, bis mich abends Moses wieder abholte und ich dann zu Susan ging um Mandasi, eine Art Gebäck, zu kochen bzw. zu backen.
Nach der ersten Woche ist nur zu sagen, dass ich unglaublich Dankbar über die Hilfsbereitschaft und Offenheit von Mr. Githua, Susan und allen anderen Lehrern und Mitarbeitern in der Schule sind. Egal was ist, ich kann immer bei Ihnen anrufen oder vorbeikommen und sie kümmern sich rührend um mich. Sogar als der Kühlschrank nicht ging und die Toilette Wasser verlor und aus der Dusche kaum Wasser kam, war Mr. Githua sofort da und hat alles beheben lassen. Ich bin so froh, so tolle Menschen um mich zu haben. Sie rufen mich an und fragen, ob wir gemeinsam was unternehmen sollen oder wie es mir geht oder senden mir Abends einfach eine Gute-Nacht-Nachricht. So eine Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit habe ich noch nirgends erlebt und bin dankbar, dass ich es hier darf.

Ines  
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RE: Lisa in Kenia

#2 von Ines , 10.03.2016 09:39

Lisa Woche 2: Vom Gottesdienst zum Tsavo Nationalpark und zurueck zum Sportsday

Am Sonntag bin ich mit Susan morgens um 8 Uhr zur Ukunda Missionary Church gegangen, um den Gottesdienst zu besuchen und weil ich unbedingt mal erleben wollte, wie hier so die Gottesdienste ablaufen.
Wir wurden schon mit einer tollen, fröhlichen Musik empfangen, die somit schon einen tollen Gottesdienst versprach. Während dem Gottesdienst wurde dann sehr viel gesungen und zusammen getanzt, geklatscht und natürlich auch gepredigt. Aber all das mit einer Leichtigkeit und Fröhlichkeit, wie es in Deutschland nicht vorstellbar wäre. Der Gottesdienst glich einer Party, so ausgelassen sangen, klatschten und tanzten wir zusammen. So war es auch nicht verwunderlich, dass dann der Gottesdienst nicht nur eine oder zwei Stunden wie in Deutschland ging, sondern bis 14 Uhr.
Es war zwar sehr lang, aber dennoch ein sehr toller Gottesdienst, den ich mir nächsten Sonntag auf jeden Fall auch wieder anschauen möchte.
Nach dem Gottesdienst wurde dann noch gemeinsam mit in der Kirche gegessen. Der Pastor bat mich sogar zu seinem Tisch, da er meinte, dass ich ein Gast sei und man Gäste gut behandle und ich nun nach dem Gottesdienst ja auch zur großen Familie gehöre. Es war ein schönes Gefühl so offen aufgenommen zu werden.
Nach der Kirche machte ich mir dann einen entspannten Tag zu Hause und packte meine Sachen für die dreitägige Safari, die dann am Montag anstand.

Am Montag wurde ich dann um 6 Uhr morgens vor dem Millinium abgeholt Von da aus starteten dann Shaban (Driver), Felix (Guide), Bronco, Petra und ich Richtung Nairobi zum Tsavo East National Park. Um circa halb 11 kamen wir dann dort an und begannen unseren ersten “Game Drive” (Safari). Dort sahen wir viele Elefanten, Zebras, Giraffen und Antilopen. Wir hatten sogar das Glück dann Löwen tief in einem Gebüsch erspähen zu können.
Nach dem ersten Game Drive fuhren wir dann zu unserer Lodge für die Nacht, checkten dort ein, aßen zu Mittag und´ starteten dann am Nachmittag wieder den nächsten Game Drive, bei der wir ebenfalls sehr viele Tiere und einen tollen Sonnenuntergang sahen.
Am nächsten Tag fuhren wir dann morgens wieder durch den Tsavo East und mittags dann zu den Taita Hills. Dort checkten wir dann in einer Lodge wieder ein und aßen zu Mittag und starteten danach unseren Game Drive in den Taita Hills bzw. Salt Lick. Wir sahen sehr viele Elefanten und sogar ganze Elefanten Herden, die unsere Straße krezten. Das Highlight des abends war dann, als wir 5 Löwen im hohen Gras entdeckten, wie sie ihre Köpfe rausstreckten und immer wieder sich hingelegt haben.
Am nächsten Tag, ging es früh morgens um 6 Uhr auf den legzten Game Drive. Wie man so schön sagt, kommt das Beste nun mal zum Schluss und so hatten wir das wahnsinnige Glück 4 kleine Löwenkinder direkt aus der Nähe beobachten zu können. Sie lagen im Gras und das nur 3 Meter von unserem Minibus entfernt und liefen sogar vor dem Bus herum, bis sie sich in ein Gebüsch verzogen.
Es war so faszinierend, die Tiere aus dieser Nähe betrachten zu können, dass ich sogar noch Stunden danach wie auf Wolke 7 schwebte.
Am Mittwoch Abend kam ich dann wieder zu Hause an und freute mich am Donnerstag wieder in die Schule zu gehen und die Kinder zu sehen.

Ich wurde wieder von John abgeholt und wir gingen gemeinsam zur Schule.
So langsam kann ich mir den Weg merken, aber traue mich noch nicht ihn alleine zu gehen.
Da am Donnerstag noch Examen waren, half ich den ganzen Tag Susan und Steve in der Küche. Wir bereiteten den Frühstücksbrei vor, kochten das Mittagessen und danach wusch ich gemeinsam mit Susan immer alle Becher und Teller der Kinder ab.
Am Ende des Tages besprach ich dann noch mit Mr. Cassim, wie der Sportsday am nächsten Tag dann abläuft und wie man die Mannschaften für das Fußballspielen am besten einteilt, so dass man erkennt, wer in welcher Mannschaft ist,
Abends war ich dann wieder bei Susan und berichtete ihr von der ganzen Safari und zeigte ihr und Florence die Bilder, die ich gemacht hatte.
Am Freitag war dann Sporrtsday. Sportsday ist immer nach dem Ende der Examen. Ich wurde wieder von John abgeholt und in der Schule ging ich dnan gleich in den “Staff Room”, um den genauen Tagesablauf zu erfahren.
Zuerst wurde vormittags Volleyball gespielt und ein bisschen Leichtathletik gemacht. Die Kinder, die kein Volleyball spielen wollten, konnten sich dann mit Seilspringen oder Federball oder dergleichen beschäftigen.
Es wurde beim Volleyball und bei den Teams nach Mädchen und Jungen getrennt und jeweils Mädchenmannschaften derselben Klasse erstellt. Gegen Ende Spielt meistens das Staff Team gegen eine Mannschaft. Dieses heiß umkämpfte Match wird dann von allen Schülern Drumherum bejubelt und natürlich gilt der Jubel und der Applaus immer dem Team der Schüler, denn wer ist schon auf der Seite der Lehrer?
Nachdem das Staff Team ganz knapp nach Verlängerung mit 26 zu 25 im Volleyball gegen die Schüler gewannen, gingen wir zum Lunch.
Nach dem Lunch stand dann Fußball auf dem Programm. Auf diesen Programmpunkt freue ich mich schon seit Tagen, da ich hier noch nicht so sehr die Möglichkeit hatte Fußball zu spielen und dieses wirklich sehr vermisst habe.
Wir bildeten wieder Teams, wobei zuerst 2 Mädchenmannschaften gegeneinander spielten. Am Schluss war dann der “Show-Down” zwischen dem Staff Team, in dem ich mitspielte und der Schulmannschaft, die hierfür sogar extra Trikots angezogen hatten. Das Spiel war zu Beginn sehr spannend und hart umkämpft und mit viel Glück auf Seiten des Stafft Teams. Jedoch siegte dann am Ende doch das Staff Team mit 5:0 gegen die Schüler. Ich war danach fix und fertig, da ich es einfach nicht gewohnt bin bei so hohen Temperaturen in der prallen Sonne zu spielen. Für mich war der Sportsday einer der schönsten Tage, da es wirklich viel Spaß macht mit den Kindern zusammen zu spielen und Sport zu machen und an dem Tag jeder in Sportklamotten kommt und die Stimmung ausgelassen und locker ist.
Ein schöner Abschluss der Woche.

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RE: Lisa in Kenia

#3 von Ines , 10.03.2016 09:47

Eine tolle Aktion von Lisa, T-Shirts bemalen! Alle hatten Megaspaß! Danke Lisa, dass Du so viele Shirts und Farbe mitgebracht hast!






Angefügte Bilder:
FOTO10.jpg  
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RE: Lisa in Kenia

#4 von Ines , 15.03.2016 15:27

3. Bericht von Woche3: Über das T-Shirt-Projekt, den eigenen Geburtstag in einem fremden Land und die langersehnte Ankunft von Jannike

Nachdem Woche 2 mit dem anstrengenden Sportsday geendet hatte, ging ich dann am Samstag mit Mr, Mwapesa, ein Lehrer von der Schule, an den Strand. Allerdings musste ich erstmal zur Schule vormittags gehen und Mr. Githua aufsuchen, da ich Probleme mit den Abflussrohren hatte und das Wasser in den Waschbecken vor dem Bad und in der Küche nicht mehr ablief. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, musste eben das Geschirr unter der Dusche gewaschen sowie die Zähne unter der Dusche geputzt werden. Nachdem ich auf mit Mr. Githua geredet hatte und er mir versprach jemanden zum reinigen der Rohre vorbeizuschicken, wartete ich auf James, mit dem ich ebenfalls ausgemacht hatte, gemeinsam zum Strand zu gehen.
Da ich James weit und breit nicht sah und mir auch irgendwie niemand an der Schule klar sagen konnte, ob er nun da ist oder nicht, ging ich wieder zum Millinium, wo ich mich mit Mr. Mwapesa traf, der Samstags nie zur Schule muss, da er nur die 3. Klasse unterrichtete und diese Samstags nicht in die Schule muss.
Wir fuhren gemeinsam mit dem TukTuk zum Strand, wo wir dann ewig am Strand bis zu der Strandbar fourty thieves liefen und uns da niederließen.
Ich las dann überwiegend den ganzen Nachmittag und er hörte Musik und abends gingen wir dann noch am Strand etwas kleines Essen und bevor es nach Hause ging, fuhr ich noch zu Naivas meinen Wasservorrat weiter auffüllen.
Es war ein schöner Tag, da es dann doch noch mal was anderes ist mit einem Einheimischen am Strand zu sein und so dann auch noch mal Plätze gezeigt zu bekommen, die man als “normaler Tourist” niemals sehen würde. Außerdem wurde man so von den ganzen Beachboys in Ruhe gelassen, was zur Abwechslung auch mal ganz entspannend war.
Am Sonntag ging ich dann wieder mit Susan und Florence in die Kirche, wo wieder viel gesungen und geklatscht wurde. Diesmal erkannten ich sogar viele Kirchenmitglieder wieder und ich wurde herzlich begrüßt und in den Arm genommen. Es ist schön, wenn man sieht, dass sich die Leute das Gesicht merken und versuchen einen zu integrieren, wie wenn man ein vollwertiges Kirchenmitglied sei. Nach dem Gottesdienst aßen wir wieder alle gemeinsam und ich wurde wieder gebeten mit dem Pastor gemeinsam zu essen. Es ist schön das Gefühl zu bekommen, angenommen und akzeptiert zu werden. Nach dem Essen ging ich dann mit Susan noch zu ihrer Freundin, wo wir gemeinsam Tee tranken. Es ist schön, dass mich Susan so in ihr Leben einbezieht, da man so immer mehr und mehr das Gefühl bekommt auch ein Teil davon zu sein.
Am Montag half ich dann vormittags wieder in der Küche Susan, Steve und Obama beim vorbereiten des Lunches und beim abspülen. Um 11.30h hatte ich dan die erste Deutschstunde in der Woche in der Klasse 3. Wir wiederholten nochmals die Tage auf deutsch gemeinsam und wir übten das Datum auf Deutsch zu schreiben. Außerdem lernten wir gemeinsam die Jahreszeiten und malten zu jeweils einer Jahreszeit ein Bild. Nach dem Lunch ging ich dann in Class 6. Dort wiederholten wir nochmals gemeinsam alle Tage, Monate und Zahlen und übten gemeinsam die Jahreszeiten und das Wetter auf Deutsch. Nach der Deutschstunde half ich nochmals ein bisschen in der Küche und ging dann anschließend nach Hause, um den Großputz zu erledigen, der anstand, da Jannike ja am Mittwoch kommt und ich wollte, dass sie sich gleich so wohl wie möglich fühlt.
Auf den Dienstag habe ich mich dann ganz besonders gefreut, da ich da endlich mein kleines T-Shirt-Projekt machen konnte. Es war was für mich eine Herzensangelegenheit, da ich so den Kindern einfach ein bisschen was geben wollte, das sie ganz individuell und nur für sich und nach ihren Wünschen gestalten konnten. Vormittags half ich noch in der Küche und schnibbelte Gemüse und nach dem Lunch hatte ich den ganzen Nachmittag mit class 2.
Da wir einfach in der Essens-Halle mehr Platz hatten, holte ich die ganze Klasse und alle setzten sich auf die Bänke, ganz gespannt, was wir nun machen werden. Denn ich hatte nicht verraten, was wir gemeinsam den ganzen Nachmittag machen werden. Als ich ihnen dann erzählte, dass wir gemeinsam T-Shirts bemalten, gab es kein Halten mehr und die Kinder haben sich wahnsinnig gefreut und es dauerte ein paar Minuten, bis ich weiter machen konnte. Ich teilte den Kindern alle T-Shirts aus, sodass jedes Kind ein T-Shirt hat. Anschließend bereitete ich die ganzen Farben und Zwischeneinlagen vor und ließ die Kinder in der Zeit Steine suchen, um die T-Shirts zu fixieren, damit sie mit dem Wind nicht wegfliegen. Da ich nicht so viele Zwischeneinlagen hatte, mussten wir immer in 5er-Gruppen die T-Shirts bemalen. Jedes Kind wollte natürlich als erstes dran sein und so war ich froh, dass mir eine Lehrerin zur Seite stand und mir half alles zu koordinieren. Zuerst begannen wir die Vorderseite der T-Shirts zu bemalen. Die Kinder konnten sich aussuchen, ob sie eine Schablone mit einem Tiger oder Blumen benutzen möchten oder ob sie mit den Händen Abdrücke machen wollten. Die Kinder, die sich für eine Schablone entschieden, bekamen von mir das Muster auf das T-Shirt gesprayt und anschließend tupfte ich allen Kindern ihre gewünschten Farben auf die Hände, die sie dann anschließend auf die T-Shirts drücken konnten. Wenn die Vorderseite voll war und ihren Wünschen entsprach, warteten wir ein paar Minuten und drehten die T-Shirts um, damit sie die Rückseite auch bemalen konnten. Nachdem die T-Shirts fertig waren, kam die nächste Gruppe dran. Um den Farbteller versammelten sich alle Kinder und sagten den Malenden, welche Farbkombinationen am Besten aussehen würden und halfen so in der Gruppe schöne T-Shirts zu gestalten. Die Kinder arbeiteten sehr konzentriert und alle wollten das schönste T-Shirt machen. Ich war erstaunt darüber, wie unendlich lieb die Kinder waren und wie “gesittet” alles ablief. Keines der Kinder tanzte aus der Reihe oder es wurde Unruhe gestiftet. Wir blödelten alle zwar gemeinsam viel rum, aber alle Kinder gehorchten richtig toll und so konnten wir gemeinsam richtig toll arbeiten und viel Spaß haben. Sogar Mr. Githua, Madam Sophie und andere Lehrer kamen zu uns und wollten auch mit ihren Händen Abdrücke machen. Es machte sichtlich allen viel Spaß die T-Shirts zu bemalen. So passierte es auch, dass wir total die Zeit vergessen hatten und die Kinder eigentlich längst mit dem Schulbus nach Hause hätten fahren sollen. Aber da alle Kinder unbedingt ihre T-Shirts fertig machen wollten und so viel Spaß dabei hatten, legte John eine “Sonderfahrt” ein und fuhr alle Kinder dann extra nach dem bemalen der T-Shirts nach Hause.
Dieser Tag gab mir so viel. Er zeigte mir einfach wieder, dass wenn man nur ein bisschen was gibt oder sich mit den Kindern beschäftigt, dann kriegt man es tausendfach zurück. Es ist so unendlich schön die Freude der Kinder zu sehen und wie ihre Augen leuchteten, als ich ihnen sagte, dass wir heute T-Shirts bemalen.

Nachdem alle T-Shirts bemalt wurden, nahm ich alle mit nach Hause und bügelte sie, um sie zu präparieren, damit die Farbe nach dem Waschen nicht mehr heraus geht.
Am Mittwoch gab ich ihnen dann die ganzen T-Shirts zurück und sie präsentierten sie stolz ihren Mitschülern und zogen sie gleich an. Es war schön zu sehen, dass sie so viel Freude damit hatten.

Um 11 Uhr fuhr ich dann mit Moses zum Flughafen nach Mombasa um Jannike abzuholen. Ich freute mich wahnsinnig sie endlich begrüßen zu können, da ich diesem Tag ewig entgegengefiebert habe. Ich war endlich nicht mehr allein und konnte meine ganzen Erfahrungen und Eindrücke mit jemanden teilen. Ich wartete ganz gespannt am Flughafen auf ihre Ankunft. Als sie dann endlich da war, besorgten wir ihr noch eine kenianische SIM-Karte und fuhren dann gemeinsam nach Hause. Da zeigte ich ihr unser Haus und kurz darauf gab es auch gleich mal einen Stromausfall. Das scheint nun das Willkommensritual für Voluntäre zu sein, wenn sie die erste Nacht im Haus verbringen. Aber glücklicherweise kam nach kurzer Zeit der Strom wieder und wir gingen noch zu Susan, wo ich ihr Jannike vorstellte. Es war so schön endlich jemanden bei sich zu haben und da wir uns auch super verstehen, ist es wirklich toll zu wissen, dass ich jetzt mit ihr die nächsten Wochen verbringen und all meine Erfahrungen teilen darf.
Am Donnerstag gingen wir dann gemeinsam zur Schule. Wir halfen zuerst wieder in der Küche, bevor wir dann um 10 Uhr wieder zurück zum Haus mussten, da da endlich die Handwerker kamen um die Rohre zu reinigen und die Badtüre zu reparieren. Nach 2 Stunden konnten wir wieder zurück zur Schule, wo wir dann nachmittags in alle Klassen gingen und Jannike sich vorstellte. Abends gingen wir dann zu Susan und anschließend ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen.
Um 00.00Uhr bekam ich dann die Nachrichten von meiner Familie, in der sie mir zum Geburtstag gratulierten und mir Videos und Bilder von zu Hause schickten. Es wurde sogar ein Geburtstagskuchen gebacken und die ganze Familie feierte meinen Geburtstag, wie wenn ich zu Hause wäre. Es war in diesem Moment schon hart, so weit weg und nicht bei der Familie zu sein, aber auf der anderen Seite war ich gespannt, was mich so erwartete.
Am Morgen überraschte mich Jannike mit einer Kerze, die ich auspusten sollte und mir dann was wünschen konnte. Anschließend fuhren wir zu Naivas den bestellten Kuchen holen. In der Schule wurde ich schon ganz herzlich empfangen und alle gratulierten mir zum Geburtstag. Susan, Steve und Obama herzten mich in der Küche ganz lieb und drückten mich an sich und machten ganz viele Fotos vom Geburtstagskind. Um 10 Uhr kamen alle Lehrer und wir tranken gemeinsam Tee und aßen den Kuchen. Davor sangen sie mir Geburtstagslieder auf Englisch und Swahili und Omar bemalte mein Gesicht mit dem Tortenguss, damit auch ja erkenntlich ist, wer das Geburtstagskind ist. Anschließend gingen wir in die Klassen und verteilten die Bonbons, die ich für die Kinder gekauft hatte und jede Klasse sang “Happy Birthday”. Class 7 hat sogar extra “Zum Geburstag viel Glück” geübt gehabt und mir auf Deutsch vorgesungen. Es war wirklich toll, dass sie sich so viel Mühe gegeben haben und es zeigt auch für mich so etwas wie Wertschätzung und dass ich akzeptiert und angenommen werde.
Nach dem Lunch gingen Jannike und ich an den Strand, wo ich meinen Geburtstag dann entspannt bei einer traumhaften Kulisse verbringen konnte. Wir gingen gemeinsam ins fourty Thieves, wo ich dann zu Abend eine Geburtstagspizza aß und sie mir einen 40´s Frappé zum Geburtstag schenkte. Abends ließ ich den Geburtstag bei Susan ausklingen, wo wir dann nochmals ein bisschen Kuchen aßen.
Am Samstag war dann großer Waschtag im Hause Jannike und Lisa und wir wuschen all unsere Kleidung, sodass dann die komplette Wäscheleine voll mit Kleidung war (überwiegend meiner, da ich mal wieder das Waschen ewig hinauszögerte).
Nachmittags holten wir dann Florence, die Tochter von Susan, ab und wir fuhren gemeinsam zum Strand, wo wir den Nachmittag verbrachten, spielten und Florence wie ein kleiner Fisch die ganze Zeit im Wasser war. Es war schön mit Jannike und Florence am Strand zu sein und wir freuten uns beide, dass wir Florence damit eine Freude machen konnten.
Am Sonntag gingen wir dann gemeinsam mit Florence und Susan zum Gottesdienst. Danach beschlossen Jannike und ich ein bisschen Ukunda zu erkunden, allerdings zu Fuß. Es tat gut sich mal wieder so viel zu bewegen und uns viel auf, dass man so einfach viel mehr von den Menschen, den Läden und der Stadt mitbekommt und erlebt, wie wenn man immer nur mit dem TukTuk durch die Gegend fährt.
Es war eine sehr aufregende Woche mit ganz vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken. Sicherlich war für mich einer der tollsten Tage das Bemalen der T-Shirts, aber das Highlight war definitiv mein Geburtstag mit den Kindern und am Strand. Ich habe noch nie so meinen Geburtstag gefeiert und die Menschen hier haben ihn wirklich unvergesslich gemacht und ließen so sogar ein Stück weit mein Heimweh in den Hintergrund treten.
Diese Woche hat einfach wieder gezeigt wie warmherzig und liebevoll die Menschen hier sind. Sie zeigen einem, dass man immer mehr ein Teil von ihnen wird und sie einen akzeptieren und wertschätzen. Ich bin dankbar, das hier alles in dieser Form erleben zu dürfen.

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RE: Lisa in Kenia

#5 von Ines , 06.04.2016 11:34

Woche 5: Viele “erste Male”: das erste Mal beim Arzt, das erste Mal Deutsch-Examen, das erste Mal abends im Ushago

Der Montag begann wie immer erstmal in der Küche. Wir halfen wieder Gemüse schnibbeln und den Lunch vorbereiten. Anschließend schrieb ich die Certificates für das Scouting-Camp. Das waren vorgefertigte Teilnahmeurkunden, bei denen der Name der Schüler, der Truppenname und der Name der austragenden Schule eingetragen werden musste. Außerdem haben wir dann die eingesammelten Deutschhefte korrigiert. Denn wir müssen immer kontrollieren, ob die Schüler auch alles richtig von der Tafel abgeschrieben haben. Es ist teilweise schon erschreckend, wie viele Fehler die Schüler beim Abschreiben von der Tafel machen. Daher kontrollieren wir immer nach ein paar Unterrichtseinheiten die Hefte und korrigieren gegebenenfalls die Fehler, damit sie richtig lernen können und nicht fehlerhaftes Deutsch oder fehlerhafte Worte lernen. Normalerweise sollte man das im Unterricht laut Mr. Mwapesa machen, aber da wir immer nur zwei halbe Stunden in der Woche mit einer Klasse haben, wollen wir die Zeit so gut es geht nutzen und sammeln dann die Hefte lieber ein, um sie danach zu korrigieren.
Nach der Schule gingen wir heim und räumten noch ein bisschen das Volontärhaus auf und stellten Stühle und Tische richtig hin, da wir für Susan und Florence typisch deutsch bzw. europäisch kochen wollten. Da wir nur eingeschränkte Kochmöglichkeiten haben, entschlossen wir uns für ein einfaches Gericht; Nudeln mit Soße. Hierfür haben wir Spaghetti und Rigatoni als Nudeln gekauft gehabt und eine Tomatensoße und Pilzsoße zur Auswahl gehabt (fertig gemischt). Da das Wasser 45 Minuten zum Kochen braucht, mussten wir frühzeitig anfangen, damit es nicht zu spät wird zum Essen. Um halb 8 kamen dann Susan und Florence zu uns und wir aßen gemeinsam. Susan hat es ziemlich gut geschmeckt im Gegensatz zu Florence. Florence schmeckte es nicht sonderlich gut, weshalb sie auch nicht viel aß.

Auch wenn das Essen nicht bei Allen gut ankam, waren wir froh uns dafür entschieden zu haben, da wir Susan und Florence unbedingt mal zeigen wollten, was wir in Deutschland häufig essen, damit sie auch einmal einen kleinen Einblick in unsere Küche bekommen.

Am Dienstag korrigierten wir wieder viele Hefte der Klassen 3-6. Denn am Donnerstag hat class 3 ihr Deutsch Examen und die Klassen 4-6 haben am Dienstag Examen und daher wollten wir noch mal alle Hefte einsammeln und korrigieren, damit sie richtig lernen und sich darauf vorbereiten können. Es ist schon ein deutlicher Mehraufwand, wenn man auch noch mal kontrollieren muss, ob die Schüler tatsächlich alles richtig abgeschrieben haben. Denn würden wir das so wie die anderen Lehrer während dem Unterricht machen, dann würden wir sehr, sehr schleppend und langsam vorankommen, da das enorm Zeit beansprucht und dann den größten Teil der Stunde einnehmen würde.

Nachdem ich am Dienstag schon etwas kränkelte, war ich am Mittwoch dann richtig krank. Bettina empfahl mir zum Glück Dr. Onkoba, zu dem wir dann gleich vormittags fuhren. Er untersuchte mich genau und nahm auch Blut ab, um Malaria, Salmonellen und Co. ausschließen zu können. Es stellte sich dann heraus, dass ich mir “nur” einen Virus eingefangen habe und die Blutwerte eben nicht optimal sind. Er verschrieb mir Antibiotika und gab mir Calcium Pulver mit, das ich jeden Morgen in einen halben Liter Wasser mischen soll. Ich fühlte mich bei ihm sehr aufgehoben und alles war sehr hygienisch und sauber. Außerdem gab es mir enorme Sicherheit als ich sah, dass im Wartezimmer noch mehrere Europäer saßen und somit er bei ihnen ja beliebt sein muss und die Leute ihm vertrauen.

Am Donnerstag stand dann unser erstes Deutsch-Examen mit class 3 an. Um 11.30h war es soweit und wir teilten die Blätter aus. Wir saßen als Aufsicht natürlich in dem Raum, um aufzupassen, dass nicht gespickt wird. Während man in diesem Raum sitzt hat man Zeit und Gelegenheit mal die Schüler ein bisschen zu beobachten.

Es ist faszinierend wie unterschiedlich doch die Schüler an die Examen herangehen. Manche Schüler machen die ersten 10 Minuten erstmal gar nichts und schauen nur in der Gegend herum, bis sie überhaupt mal anfangen zu schreiben. Andere Schüler waren schon nach 20 Minuten fertig und wieder andere lagen mit ihren Köpfen auf den Tischen; manche schrieben, manche schliefen (glaube ich). Bei manchen hatte ich schon das Gefühl, dass sie die Situation gar nicht ernst nehmen oder überhaupt “kein Bock” haben irgendwas zu machen. Alles in allem ist mir aufgefallen, dass die Schüler sehr langsam sind, was man auch allgemein im Unterricht merkt. Die Schüler brauchen teilweise Ewigkeiten, um ein paar Worte von der Tafel abzuschreiben. So auch im Examen. Manche schreiben mit einer Langsamkeit, wo ich mich dann schon manchmal frage, wie sie im Schulalltag überleben können, denn es gibt durchaus Schüler, die zügig von der Tafel und trotzdem richtig abschreiben.

Die großen Leistungsunterschiede haben wir dann auch bemerkt, als wir die Examen der class 3 korrigiert haben. Von 0% bis 83% war alles dabei. Allerdings gab es nur 3 Schüler, die über 80% lagen. Der Schnitt lag so bei ca. 50%. Für mich persönlich war es schon ein bisschen ernüchternd, da ich schon mehr von den Schülern erwartet hatte; vielleicht auch zu viel im Nachhinein. Wir haben mit ihnen alles, was wir im Examen abgefragt haben mehrmals geübt und wiederholt und sogar in der Stunde davor alles noch mal gemacht und aufgeschrieben. Da war es irgendwie schon ein bisschen enttäuschend, dass die Ergebnisse nicht so gut ausgefallen sind.
Es ist schade, dass nach mir und Jannike erstmal kein Volontär direkt im Anschluss da ist, denn so vergessen die meisten Schüler wieder alles und man kann so gut wie von vorne wieder anfangen.

Da Ostern war, hatte die Schule nun Freitag bis Montag geschlossen. Da Jannike Freitag und Samstag auf Safari ging, war ich jetzt nach langer Zeit mal wieder alleine. Da wir nur einen Schlüssel für das Haus und die Tore haben, brachte ich Jannike um 6.20h morgens raus und legte mich dann noch mal ein bisschen hin. Nach dem Aufstehen und dem Frühstück fuhr ich zum Strand und verbrachte dort den ganzen Tag. Als ich das Fourty Thieves verließ, sah ich schon wie ganz viele Affen auf der linken Mauer saßen. Da ich ein bisschen Respekt vor diesen Tierchen hatte, lief ich ganz rechts an ihnen vorbei. Aber ich hatte dennoch Pech. Denn ein Affenweibchen mit seinem Baby am Bauch hängend, lief direkt auf mich zu und sprang auf meine Tüte, in der sich Jannikes Strandmatte befand. Trotz schreien und rumwedeln ließ der Affe nicht los und wollte mir tatsächlich diese Matte klauen. Zum Glück kam mir ein älterer Mann dann zur Hilfe, der den Affen von der Tasche wegstieß und ich so zum Glück die Flucht ergreifen konnte. Ich rannte bis zur Hauptstraße und war danach erstmal fix und fertig.
Am Samstag war dann großer Waschtag bei mir angesagt. Da ich immer ein bisschen das Waschen vor mich hergeschoben habe, hat sich ein bisschen was angesammelt. Nachdem ich alles fertig gewaschen hatte, machte ich mich auf zum Strand und verbrachte dort meinen Tag bis Jannike wieder von der Safari zurück war.

Am Samstag kam auch das Freundschaftsspiel Deutschland gegen England. Da Jannike sehr erschöpft war von der Safari, ging ich mit Ibrahim, meinem Motorbike-Driver seit Tag 1, ins Ushago. Er holte mich direkt vor dem Tor ab und wir fuhren gemeinsam ins Ushago. Bei Dunkelheit und zu späterer Stunde hat man schon ein mulmiges Gefühl draußen zu sein. Aber es lief alles gut an dem Abend, außer dass Deutschland 3:2 verlor, und ich war nach dem Spiel wieder sicher im Volontärshaus.

Am Sonntag gingen wir auf den Markt um Scola, eine Schülerin der class 8, zu treffen, da sie uns ihre Freundin vorstellen wollte, die Henna-Tattoos malt. Da uns aber der Preis zu teuer war, entschieden wir uns dagegen und gingen zum Markt zurück, wo wir zufällig auch Birgits Mann trafen. Er nahm uns mit zu ihrem Domizil und wir verbrachten da ein wunderschönes, familiäres Ostern mit Birgit und ihrer Familie. Ich bin sehr dankbar, dass wir so ein schönes Ostern feiern durften und eingeladen wurden zu ihnen nach Hause zu kommen. Das ist in kleinstem Falle selbstverständlich und daher haben wir uns sehr darüber gefreut, den Tag mit ihnen verbringen zu können.

Es war ein schönes Ostern und damit ein toller Abschluss der Woche

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RE: Lisa in Kenia

#6 von Ines , 06.04.2016 13:33

Volontärsbericht Lisa
Woche 6: Sonnenaufgang und der Beginn des Abschiednehmens

Da Ostern war, hatten wir Ostermontag auch noch schulfrei. Jannike hatte am Wochenende die Idee, mal den Sonnenaufgang zu beobachten und weil ich auch so begeistert von ihrer Idee war, standen wir am Montag um 5 Uhr auf und ließen uns von Salim, einem TukTuk-Driver unseres Vertrauens, um 5.45 Uhr abholen, damit wir ja pünktlich genug am Strand sind. Denn wir wollten keinen Sonnenstrahl verpassen. Und es hat sich tatsächlich gelohnt so früh aufzustehen, denn der Sonnenaufgang war toll.

Am Dienstag halfen wir zuerst in der Küche beim Schnibbeln des Gemüses. Nachdem Birgit und Bettina in die Schule kamen, liefen wir gemeinsam zum Volontärshaus und Birgit und Bettina nahmen es in Augeschein. Wir schrieben neue Sachen auf, die noch benötigt werden und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.

Nach der kleinen Besichtigung, liefen wir gemeinsam unseren Schulweg zurück und es erwartete uns ein Überraschungsgast. Denn Regine flog spontan her, um noch mal allen unter die Arme zu greifen. Es war schön ein weiteres Mitglied kennenzulernen und so herzlich begrüßt zu werden. Nachdem wir kurz geredet hatten, aßen wir zu Mittag und anschließend gingen Jannike und ich mit Birgit in die Bücherei, wo uns Birgit erklärte, wie das Beschriftungssystem der Bücher funktioniert. Jedes Buch bekommt eine Art Lasche auf die Innenseite des Buchrückens, in der dann die Karteikarte steckt, auf die der Name des Buches, des ausleihenden Kindes und das Datum der Rückgabe versehen wird. Außerdem wird auf den Buchrücken mit Klebeband eine Markierung geklebt, auf die mit Buchstaben die Art des Buches vermerkt wird, wie zum Beispiel “AD” für “adults” steht und damit ein Buch für Erwachsene markiert. Nachdem wir ein paar Bücher präparierten, gingen wir nach Hause und ließen den Abend bei Susan ausklingen, wo wir gemeinsam Kochbananen mit Kartoffeln und verschiedenem Gemüse kochten. Es war ungewohnt Bananen zu kochen, aber eine schöne Erfahrung und sehr lecker.

Da die Lehrer gerade für die Aufsicht knapp besetzt waren, wurden wir von Mr. Saila gebeten schon um 8 Uhr in der Schule zu sein. Ich machte die Aufsicht in Mathe bei Class 4 und Jannike bei Class 7. Man merkte wieder, dass viele Schüler lange brauchten, bis sie überhaupt begannen zu schreiben.

Nach ca einer Stunde merkte ich, dass die Klasse unruhig wurde, da schon mehrere fertig waren. Obwohl ich mehrmals gesagt habe, dass sie nicht reden dürfen, gab es ein paar Schüler, die immer wieder geredet haben. Mich hat das fast zur Weißglut getrieben, da ich manchmal das Gefühl hatte, dass sie mich damit ärgern wollen. Aber nachdem mir Mr. Saila gesagt hat, dass die Klasse immer so ist, war ich in der Hinsicht “beruhigt”, dass sie es nicht absichtlich wegen mir gemacht haben. Außerdem glaube ich, dass die Zeit für die einzelnen Examen oftmals viel zu großzügig bemessen ist und die meisten Kinder schon nach der Hälfte der Zeit fertig sind und daher auch die Unruhe aufkommt, da sie sich dann anfangen zu langweilen. Das wäre vielleicht ein Punkt, den man mal überarbeiten sollte, um die Ruhe und die Konzentration besser aufrecht zu erhalten.

Am Donnerstag kamen wir wieder früher, da wir wieder die Aufsicht in den Klassen machen mussten. Bei mir fing es schon leicht chaotisch an, da es 14 Examen zu wenig gab und so nach großer Unruhe Class 4 verspätet anfangen konnte. Mr. Saila redete sogar nochmals mit den Schülern, dass sie nicht reden sollen aber es war vergebens. Nach einer ca Dreiviertelstunde redeten immer mal wieder einzelne Schüler. Als Mr. Saila reinkam, erwischte er 2 Schüler und nahm ihnen das Examen weg und gab mir das “Ok”, dass ich es ihm gleichtun soll, wenn ich welche erwische beim reden. Ich dachte eigentlich, dass das vielleicht Wirkung bei den Schülern gezeigt hat, aber ich täuschte mich. Nach kurzer Zeit redeten wieder Schüler miteinander. Es sind allerdings immer die gleichen, die reden. Am Ende habe ich weitere 6 Examen eingesammelt, da sie trotz Ermahnung immer wieder geredet haben.

An diesem Tag kamen auch Birgit und Regine wieder in die Schule und brachten gleich neue Sachen für das Volontärshaus mit. Die Freude war groß, vor allem über den Spiegel und den Wasserkocher. Wir fuhren gleich mit Birgits Mann zu unserem Haus und luden alles ab und räumten es ein. Wir waren wirklich dankbar, dass es so schnell funktionierte und wir ein paar neue Sachen für das Haus hatten. Nachdem alles aufgeräumt wurde, liefen wir gemeinsam mit Regine zurück

Wir korrigierten die Examen von class 4 (Durchschnitt 26,86%) und class 5 (Durchschnitt 60%) und arbeiteten dann zum Schluss in der Bücherei noch ein bisschen, damit die Bücher fertig präpariert sind, wenn sie ausgegeben werden.

Am Freitag halfen wir wieder in der Küche beim Gemüse schnibbeln, korrigierten noch Class 6 (Durchschnitt 58%) und präparierten weiterhin Bücher in der Bibliothek. Ich denke, dass die Bücherei noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird, da es noch viel zu erledigen gibt, aber das Interesse besteht in jedem Falle, da jeden Tag Kinder zu mir oder zu Lehrern kommen und fragen, ob sie ein Buch ausleihen dürfen. Es ist schön zu sehen, dass die Bücherei so einen großen Anklang findet und die Kinder wirklich interessiert daran sind Bücher zu lesen.
Am Samstag liefen wir dann zum Strand. Diesmal aber nicht an der Beach Road entlang, sondern einen kürzeren Weg durch die Häuser und Felder am Airstrip vorbei. Diesen Weg laufen die meisten Einheimischen, wenn sie zum Strand gehen und so war es nicht verwunderlich, dass wir die einzigen “Fremden” waren, die den Weg liefen, weshalb wir auch permanent gefragt wurden, ob wir nicht lieber mit dem Motorbike fahren möchten. Am Strand setzten wir uns wieder ins Fourty Thieves und genossen ein bisschen das Strandfeeling. Mittags gingen wir dann zu Birgit, da es Zeit war Abschied zu nehmen, da Birgit und ihre Familie leider wieder heimflogen. Wir plantschten wieder gemeinsam mit Christina und Sarah, einem Patenkind von Regine, im Pool und aßen gemeinsam süße Stückchen als auch noch Freunde von Regine kamen. Es war ein schöner Nachmittag und es war schön mal wieder so einen “europäischen” Nachmittag mit “Mensch ärger dich nicht” zu verbringen. Es war schön, den Nachmittag mit allen zu verbringen und so fiel der Abschied schon auch etwas schwer.

Da es das letzte Wochenende von Jannike war, gingen wir Sonntags in die Kirche, da der Pastor sich noch von ihr verabschieden wollte und beten wollte. Diesmal war ein Pastor aus Brüssel da, der ursprünglich aus den USA kommt und seine Predigt über Geld und Gott war relativ interessant, weshalb die Zeit bis halb 2 auch gut vorüber ging. Nachdem er sich noch persönlich von Jannike verabschiedet hatte und für sie gebetet hatte, gingen wir nach Hause und packten unsere Sachen für den Strand und liefen wieder querfeldein zum Strand. Dort ließen wir uns zum Abschluss des Wochenendes und auch ein bisschen zum Ende von Jannikes Aufenthalt Henna-Tattoos malen. Außerdem ließ sich Jannike noch die Haare flechten. So sah sie dann fast aus wie eine echte Kenianerin.

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RE: Lisa in Kenia

#7 von Ines , 19.04.2016 15:02

Woche 7: Und nun wieder ganz allein...
Bericht von Lisa

Am Montag war der letzte gemeinsame Schultag mit Jannike. Es war ungewohnt in die Schule mit dem Wissen zu gehen, dass dies der letzte richtige Tag zu zweit sein wird. Zuerst schnibbelten wir wieder gemeinsam das Gemüse; ich meinen Knoblauch und Jannike ihre Zwiebeln.
Nachdem wir das Gemüse fertig geschnitten haben, verabschiedeten wir uns von Regine, da sie dann auch wieder Richtung Deutschland flog. In diesem Zuge konnte ich auch gleich alles mit den Farben für die Wände abklären, die ich für meinen Workshop in den Ferien benötigte. Ich lief mit John zu den einzelnen Hardware-Shops, um Preise zu vergleichen und um mir das Material anzusehen. Dies gab ich dann an Mr. Githua und an Birgit weiter, damit das Finanzielle abgeklärt werden konnte und ich im Laufe der Wochen die Farben und Pinsel kaufen konnte.
Nach dem Mittagessen halfen wir noch in der Küche beim Abwasch und gaben anschließend den Klassen die korrigierten Examen zurück.
Abends gingen wir dann zu Susan. Es war der letzte Abend von Jannike und daher machten wir zum Abschied gemeinsam Mandazi für sie, die sie dann auch mit nach Deutschland zu ihrer Familie nehmen konnte.

Am Dienstag war dann der große Tag des Abschieds. Wir halfen noch einmal in der Küche, Jannike verabschiedete sich von den Lehrern und um 3 Uhr wurden wir dann von Moses abgeholt. Ich wollte Jannike natürlich zum Flughafen begleiten, um mich von ihr zu verabschieden. Leider war für mich die Fahrt eine reine Tortur. Denn durch Moses' Fahrstil wurde mir so schlecht, dass ich heilfroh war, als wir endlich am Flughafen ankamen und ich es geschafft hatte mich bis dato nicht zu übergeben. Nachdem ich kurz ein paar Minuten zur Erholung hatte und wir Moses überreden konnten ein paar Minuten noch am Flughafen gemeinsam mit Jannike zu verbringen, kam der große Abschied.
Es fiel mir schwer, mich von ihr zu verabschieden, da sie die letzten Wochen immer für mich da war und wir über alles reden und diskutieren konnten. Ich werde unsere langen Fußmärsche durch die Hitze vermissen; sei es zu Naivas, zum Nakumatt oder sogar zum Strand. Denn alleine macht es einfach nur halb so viel Spaß....

Am Mittwoch war dann mein erster Tag, an dem ich wieder alleine war. Es ist ungewohnt alleine aufzustehen und zu frühstücken, aber ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich damit gut klar komme und es mir nicht so große Probleme bedeutet, wie ich dachte. Ich schnibbelte wieder Karotten und Paprika und ging dann anschließend in die Bücherei.
Die Bücherei und ich haben anscheinend auch eine "never ending lovestory" miteinander. Denn ich habe das Gefühl, dass es eine endlose Arbeit ist. Ich verbringe Stunden in der Bücherei und es scheint kein Ende in Sicht. Ich klebe in jedes Buch einen viertel Umschlag rein, in den später eine Karteikarte rein gesteckt werden soll, auf der der Name des Buches und darunter eine Tabelle mit Name und Datum gezeichnet ist. Diese Karte ist für die Lehrer. Wenn sich ein Schüler das Buch ausleiht, wird auf die Karte der Name des Schülers und das Rückgabedatum geschrieben und der Lehrer verwahrt die Karte. So hat er den Überblick, welche Bücher von wem ausgeliehen wurden und wann sie wieder zurück gebracht werden müssen.
Außerdem klebte ich auf jeden Buchrücken ein Stück Klebeband, auf das mit Edding die Art des Buches festgehalten wird. Zum Beispiel "AD" für Adults oder "C" für "Children". So kann man gleich auf den ersten Blick sehen, um was für eine Art Buch es sich handelt. Da Jannike davor schon fleißig die Klebeband-Arbeit gemacht hat, musste ich glücklicherweise nicht mehr allzu viele Bücher damit präpariern.

Um die Mittagszeit kam dann ein deutscher Mann, der die Schule schon letzte Woche besucht hatte und sich seit dem darum gekümmert hat, die Preise von verschiedenen "Tischlern/ Schreinern" im Bezug auf 6 Tische und 12 Bänke zu vergleichen. Da er nicht so gut Englisch sprechen kann, bat er mich zwischen ihm und Mr. Githua zu dolmetschen. Zuerst hatte ich ein bisschen Panik, da mein Englisch auch nicht das Beste ist und ich Angst hatte, dass ich manche Sachen nicht richtig übersetzen kann. Aber es ging zum Glück alles gut und der Herr übernahm sogar eine Patenschaft für ein kleines Mädchen aus KG 1, das er an dem Tag auch gleich kennenlernen durfte.

Den Donnerstag verbrachte ich zuerst wieder in der Küche und dann in der Bibliothek, bis ich dann nach der Mittagszeit wieder meine Dolmetscherqualitäten unter Beweis stellen musste. Denn ein Tischler hatte die Maße falsch gelesen und für cm anstatt für inch den Preis berechnet, weshalb es nochmals Klärungsbedarf gab. Da man sich dann auch Gedanken über Mango-Holz machte, wurde entschieden, dass der bisherige Tischler ein erneutes Angebot zu den bekannten Maßen für Mango-Holz machen sollte.
Da ich nun wieder zwischen Mr. Githua und dem deutschen Herren und dem Tischler dolmetschen musste, wurde ich ein bisschen nervös. Denn ich habe noch nie Preisverhandlungen auf Englisch mit so einem ernsten Hintergrund geführt und ich hatte Angst, dass ich es nicht hinbekomme bzw. es Verständnisprobleme geben könnte. Aber zum Glück lief alles glatt und ich konnte zu meinem eigenen Erstaunen einen guten Preis heraushandeln und damit eine große Ersparnis für den Verein schaffen. Ich war stolz auf mich, dass ich auch so eine Hürde mittlerweile meistern kann. Das hätte ich vor 2 Monaten noch nicht von mir gedacht. Aber man wächst ja schließlich mit seinen Herausforderungen.

Am Freitag war dann Sportsday. Da es aber noch allerhand in der Bücherei zu tun gab, verbrachte ich meinen Tag mit den Büchern und nicht mit den Kindern auf dem Feld. Außerdem war an diesem Tag auch der offizielle Closing Day, weshalb ich mich von allen Kindern und Lehrern verabschiedete, da ich sie in den Ferien nicht mehr sehen werde. Von ein paar Kindern fiel mir der Abschied sichtlich schwer und ich hätte sie am liebsten mit nach Hause genommen, da ich sie so in mein Herz geschlossen habe.
Abends überraschte mich dann der erste große Regenschauer und in Sekunden waren die Straßen überflutet und das Wasser lief die Straße entlang. Zu meinem Glück hatte ich dann abends mal wieder einen Stromausfall. Aber wie wenn das noch nicht langen würde, gab nach 2 Stunden meine Ersatzlampe den Geist auf und es suchte mich eine Froschplage im Haus heim. Überall hüpften lauter kleine Minifrösche rum und ich hatte meine Mühe sie in der Dunkelheit zu fangen. Ich gab es irgendwann auf, jeden Frosch einzeln heraus zu tun und so griff ich zu härteren Maßnahmen und stellte über jeden Frosch ein Glas, in das er dann leider bis zum nächsten Morgen gefangen war. Dieser Abend war mal wieder einer der Horrorabenden, denn es waren lauter kleine Tierchen in dem Haus, sodass ich schon leicht paranoid jede halbe Stunde die Räume nach neuen Tieren absuchte, die ich ggf. töten musste, um beruhigt schlafen zu können. Nachdem um Mitternacht der Strom immernoch nicht zurück war, beschloss ich schlafen zu gehen mit der Hoffnung am nächsten Morgen mit Strom aufzuwachen. Aber diesen Gefallen wollte mir Kenia nicht tun und ich hatte nach dem Aufstehen immernoch keinen Strom. Erst nachdem ich gefrühstückt und im halbdunklen geduscht hatte, kam um 11 Uhr (nach 16 Stunden!!!!!) der Strom zurück. Ich war erleichtert, dass der Strom endlich wieder da war, denn so lange Stromausfälle verunsichern mich, da dadurch auch oftmals das Wasser dann ausbleibt.
Den Samstag verbrachte ich dann am Strand und schaute nachmittags im Ushago noch ein bisschen Fußball.
Am Sonntag wurde ich von kräftigem Regen geweckt. Es war das erste Mal, dass ich meine Regenjacke hervorkramen und anziehen musste. Da es so stark regnete, musste ich erstmal warten bis es nachließ und lief dann zur Hauptstraße mit der Regenjacke über meinen Rucksack gestülpt und Kapuze auf dem Kopf, um mit dem TukTuk zum Strand zu fahren. Auch wenn es regnet, wollte ich mir den Tag nicht verdauen lassen und ein verregneter Strand bietet schließlich immernoch eine bessere Kulisse als den kompletten Tag allein im Volontärhaus zu verbringen.
Deshalb setzte ich mich dann ins Fourty Thieves und verbrachte da meinen Tag.
Es war ein ziemlich regnerisches aber trotzdem schönes Wochenende, vorallem weil es jetzt auch ein bisschen abgekühlt hat und das vieles erträglicher macht.

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RE: Lisa in Kenia

#8 von Ines , 19.04.2016 15:08

Eine tolle Ferienaktion von unserer Volontärin Lisa- Wände bemalen! Die Kinder machen begeistert mit!

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RE: Lisa in Kenia

#9 von Ines , 25.04.2016 12:40

Woche 8 von Lisa: Wandmalerei

Da am Freitag offizieller Closing-Day war, hatte ich die ersten Tage in dieser Woche frei, da ich erst am Donnerstag mit meinem Workshop startete. Da die Regenzeit nun offiziell da zu sein scheint, ist die Regenjacke mein treuer Begleiter geworden. Durch die großen Wassermassen kann der Boden gar nicht alles aufnehmen, weshalb sich regelrecht kleine Seen auf der Straße bilden. Daher sieht das, glaube ich, immer ganz amüsant aus, wenn ich zur Hauptstraße laufe, da ich immer in Schlangenlinien um die Pfützen herumlaufe oder auch mal mit Anlauf über eine drüber springen muss, wenn es sonst keinen anderen Weg gab.
Montag bis Mittwoch war ich am Strand. Denn auch wenn es hin und wieder regnete, so konnte man die Zeit am Strand dennoch genießen und ein bisschen abschalten. Denn die Kulisse war trotz Regen immernoch schön.

Am Donnerstag ging es dann wieder in die Schule. Es regnete sehr stark, weshalb ich erstmal ein bisschen abwarten musste, bis ich mich auf den Weg zur Schule machen konnte. Mit Turnschuhen und Regenjacke bewaffnet, machte ich mich dann auf den Weg. Schon nach ein paar Metern waren meine Socken nass, da das Wasser im Zwischenbereich meiner Tore stand und es keinen Weg daran vorbei gab. Als dann eine riesige Pfütze vor mir auftauchte, um die ich nicht herumlaufen konnte, beschloss ich mit Anlauf darüber zu springen. Der Plan war in der Theorie gut, aber in der Praxis scheiterte es leider am Untergrund. Denn ich schaffte es zwar über die Pfütze zu springen, aber rutschte auf der anderen Seite weg, weshalb ich dann gleich mal mit der kompletten linken Körperseite halb in die Pfütze und halb in den Matsch zurück fiel. Na toll. Der Tag fing ja mal gut an. Da ich aber ehelich gesagt eh schon spät dran war, beschloss ich mit der verdreckten Hose in die Schule zu gehen. Schließlich wollte ich ja eh die Wände bemalen, da macht der Dreck dann auch nichts mehr aus. Als ich in der Schule ankam, waren genau 2 Schüler da. Wir warteten gemeinsam, aber kein Schüler kam mehr. Vermutlich durch den starken Regen schafften es die Schüler, die sich dafür angemeldet haben, nicht in die Schule. Ich beschloss aber trotzdem mit den Zweien die Wände zu bemalen. Es war ungewohnt die Schüler nicht in der Schuluniform zu sehen, da sie so gleich einen anderen Eindruck vermittelten und viel lockerer wirkten.
Allerdings kam es an diesem Tag nicht mehr dazu. Denn es waren keine Schlüssel von der Küche da und ich benötigte aber Teller für die Farbe. Da diese Schlüssel auch nicht auf die Schnelle aufzutreiben waren, musste ich leider die Kinder wieder heim schicken. Ich nutzte dafür die Zeit in der Bibliothek die Bücher weiter zu präparieren. Da die Schule nur den halben Tag geöffnet war, hatte ich nachmittags frei. Da es nachmittags nicht regnete, nutzte ich das Wetter um ein bisschen zu laufen und ich lief seitlich in einer Gasse entlang bis zur Kreuzung zum Strand. Von da aus nahm ich dann ein TukTuk und verbrachte den restlichen Tag am Strand.

Am Freitag regnete es wieder sehr stark. Meine Schuhe und Socken waren natürlich nach den ersten Metern durchnässt. Allerdings schaffte ich es diesmal ohne hinzufallen in die Schule. Diesmal waren auch 5 Kinder und die Küchenschlüssel da. Wir sammelten gemeinsam Steine und legten dann Zeitung auf dem Boden aus und beschwerten sie mit Steinen, damit der Boden nicht allzu viel Farbe abbekommt. Anschließend füllte ich die Farbe in die Teller und mixte noch ein paar Farben, um bspw. grün, hellblau oder rosa zu bekommen. Dann starteten wir damit das Gras der Wiese zu malen. Ich erklärte den Kindern kurz wie sie mit den Pinseln und Farben umgehen sollen und dann wurde fleißig drauf los gemalt. Die Kinder hatten sichtlich Spaß und malten ganz konzentriert. Es schien als seien sie in ihrer eigenen kleinen Welt versunken. Als wir dann mit der Wiese fertig waren, malte ich die Stiele der Blumen an und die Kinder begannen sofort ihre Blüten zu malen. Jedes Kind malte seine Blüte auf seine eigene und individuelle Art und Weise. Nachdem die Blüten fertig gemalt waren, schauten wir gemeinsam jede Blume an. Hier und da kritisierten sich die Kinder und halfen sich gegenseitig das Beste aus ihrer Blume herauszuholen. Nachdem die Blumen dann ganz fertig waren, gingen wir gemeinsam mit Obama zur Küche und schleppten einen Tisch an die Wände. Denn die Schmetterlinge sollten über die Blumen gemalt werden und da wir alle zu klein dafür sind, mussten wir uns mit einem Tisch Abhilfe verschaffen. Damit der Tisch nicht allzu dreckig wird, beschloss ich, dass wir alle die Schuhe ausziehen, damit kein Dreck auf dem Tisch verteilt wird. Jedes Kind malte wieder seinen eigenen Schmetterling und am Ende waren alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Sie sagten, dass es ihnen ganz arg viel Spaß gemacht hat und sie hoffen, dass es den anderen Kindern auch gefällt. Sie würden so etwas gerne öfters machen. Nachdem ich alle Kinder nach Hause geschickt habe, räumte ich noch auf.
Als ich die Pinsel auswaschen wollte, bemerkte ich, dass die Farbe sich weder aus dem Pinsel noch von meinen Händen mit Wasser waschen ließ. Ich geriet kurz in Panik, da trotz Seife und schrubben die Farbe nicht von meinen Händen gehen wollte und dann auch noch begann zu kleben. Ich hatte in dem Moment tatsächlich Angst, dass ich die Farbe nicht mehr von meinen Händen bekomme. Voller Panik ging ich zu Madam Sophie und Mr. Githua und bat sie um Hilfe. Sie gaben mir dann Parafin, mit dem ich meine Hände dann abtupfte und die Farbe ließ sich Gott sei dank problemlos wegreiben. Auch wenn ich nicht so recht weiß wie gut/schlecht Parafin für die Haut ist, war ich froh, dass die Farbe damit weg ging. Das nächste mal werde ich definitiv Handschuhe anziehen.

Am Samstag schien die Sonne und ich nutzte den regenfreien Tag gleich mal um meine ganze Wäsche zu waschen. Denn durch den Regen ist es ziemlich problematisch die Wäsche zu waschen, da sie draußen ja nicht trockenen kann, wenn es immer wieder regnet. Nachdem ich meine Wäsche gewaschen und aufgehängt hatte, verbrachte ich den restlichen Tag am Strand und ging dann noch ins Ushago, um ein bisschen Fußball zu schauen.
Am Sonntag stand dann ein Kirchenbesuch auf dem Plan. Da auch die Verabschiedung von Pastor Ken war, hat Susan schon eine riesige Feier angekündigt. Und sie versprach nicht zu viel. Diesmal war es kein bisschen langweilig und es wurde wahnsinnig viel getanzt und gesungen. Die Stimmung war ausgelassen und alle sehr fröhlich. Es gab Show-Einlagen ohne Ende und alle waren gut gekleidet. Es hat Spaß gemacht mitzusingen und mitzutanzen.
Zu meiner großen Überraschung wurde ich dann vom Pastor nach vorne gebeten und er verabschiedete sich von mir. Er sagte, dass er es schön fand mich kennenzulernen und dass ich zu seinem Freunden nun gehöre. Außerdem sagte er, dass er jetzt für mich und eine gute Heimreise betet. Dann betete der Pastor und die ganze Kirchengemeinde für mich. Ich war wirklich sehr gerührt und konnte gar nichts dazu sagen, da ich so überrumpelt war. Es war schön, dass er noch daran gedacht hat, dass ich bald heim fliege und dass er sich dann nochmal ganz persönlich verabschiedet hat.
Nach der Kirche verbrachte ich wieder den restlichen Tag am Strand und ließ so meine Woche ausklingen.

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RE: Lisa in Kenia

#10 von Ines , 25.04.2016 13:23

Jetzt ist die 3. Wand ebenfalls in einer Ferienaktivität von Lisa verschönert. Die Kinder und Lehrer werden staunen, wenn sie aus den Ferien zurück kommen!

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